LEUTE AM MAC
22.01.2010
Der Fachbuchautor Tom Alby, der vom großen Roman träumt, hat sich als nächsten Gesprächspartner Peter K. Sanner gewünscht. Sanner betreibt einen Unkubator und beschreibt, was das ist. Ein Ableger davon ist das Portal Kinkon.de, mit dem Kinder sicher im Internet unterwegs sind. Zudem beschreibt er im Interview, was es mit einem „Zombie-Mac“ auf sich hat und verrät am Schluss auch bestimmt den nächsten Gesprächspartner.
macmagazin.de: Erzählen Sie uns vom Startton Ihres ersten Macs.
Peter K. Sanner: Der war sehr scheppernd. Dazu muss man wissen, dass mein erster Mac eine Art Zombie war. Ein 128k Mac in einem Alu-Gehäuse mit einem Konverter für einen Herkules Monitor und einem billigen Lautsprecher. Gekauft für 800 Mark bei Jemandem, der das Gerät von Jemandem übernommen hat, dem es vom Tisch gefallen war. Er hat dann das intakte Mainboard verpflanzt und den defekten Monitor durch einen Herkules Monitor ersetzt. Ich dachte damals „Boah – für so wenig Geld bekommst Du nie wieder einen Mac“ – damals kosteten die Geräte ja noch das zehnfache. Aber es hat gereicht um süchtig zu werden.
macmagazin.de: Was geht in Ihnen beim Kauf eines neuen Macs vor? Ist das ein Erlebnis oder nur der Erwerb eines Konsumgutes?
Sanner: Teils, teils. Wenn wir Geräte für die Firma bestellen, dann ist das sicher kein Einkaufserlebnis. Schaue ich mir eine Keynote an oder bin ich in einem Apple Store, dann genieße ich es schon. Man muss einfach zugestehen, dass die Leute bei Apple es schon drauf haben, Gerät, Software und Einkaufen zum Erlebnis zu machen! Wer mal im Londoner Apple Store war wird dem sicher zustimmen.
macmagazin.de: Verraten Sie uns Ihre drei Top- und eine Flop-Applikation.
Sanner: Oh je, was für eine Frage.
Top:
Lotus Improv – falls es noch jemand kennt, eingeführt als NeXT Applikation. War Excel und anderen Tabellenkalkulationen damals um Lichtjahre voraus und schlägt selbst heute noch bei einigen Funktionen, wie beim Gruppierung per Drag-and-drop – das funktioniert sogar von der Horizontalen in die Vertikale!
Evernote – einfach eine tolle Applikation um Informationen zu sammeln und verfügbar zu halten.
OS X – Zwar keine Applikation, aber ich tue mal so! Mittlerweile läuft es sehr rund, eine tolle Weiterentwicklung der NeXT Basis!
Flop:
Guide 2 – Ein erster Versuch in den 90er Jahren eine Hypertextapplikation am Markt zu platzieren. Aber das war ein extremer Fehlgriff. Ok, war auch eine Windows Applikation; trotzdem!
macmagazin.de: Welches Feature sollten Ihr nächster Mac, Ihr nächster iPod oder Ihr nächstes iPhone unbedingt haben?
Sanner: Ich vermisse ja immer noch einen Newton Nachfolger – deshalb steht der MP2100 immer noch in meinem Regal. Ich würde mich ehrlich über einen iSlate freuen! Formfaktor des Bildschirms so wie beim MP2100 – nur flacher, dünner, schneller. Sprich: eine Kreuzung aus iPhone, Macbook Air und Newton.
macmagazin.de: Welches aktuelle Tagesereignis hat Sie in letzter Zeit besonders bewegt?
Sanner: Haiti – das Erdbeben dort zeigt uns eindrucksvoll, dass wir nur Gäste auf dem Planeten sind und uns über die aktuell herrschenden Zustände jeden Tag freuen müssten. Uns ist meist gar nicht bewusst in welchem Paradies wir leben.
macmagazin.de: Was ist das Besondere am „Uncubator“?
Sanner: Die Uncubator GmbH ist entstanden aus der Designagentur meines Partners Sascha und diente uns als Projektplattform für das StartUp Kinkon.de. Der Name drückt es aus: Es handelt sich um einen unkonventionellen Inkubator für Ideen. Dieser Name entstand durch die Feststellung, dass es viele Inkubatoren gibt, die aber meistens nur Büros verwalten und Flyer verteilen.
Die Uncubator GmbH hat sich zu Anfang dem „ausbrüten“ von Kundenprojekten gewidmet und mehr als klassische Full Service Agentur für Kunden wie Bauhaus, Neue Digitale, Melitta und andere gearbeitet. Mittlerweile haben wir uns aus der Projektproduktion stärker zurückgezogen und konzentrieren uns auf die aktive Unterstützung von innovativen StartUps. Dies geschieht mit dem Schwerpunkt der Erfahrungsweitergabe und aktiven Unterstützung in genau den Bereichen, die dem StartUp fehlen.
Wir haben mittlerweile ein recht ordentliches Netzwerk und können diese genau hierfür aktivieren. Ganz pragmatischer Ansatz eben und etwas, das wir in der Anfangszeit von Kinkon.de von anderen erhalten haben. Viele StartUps scheitern an vermeidbaren Problemen – da fehlt einfach die Erfahrung. Das muss nicht sein, und Kapital alleine ist nur die halbe Miete!
macmagazin.de: Was ist die Idee hinter dem Portal Kinkon, über das Kinder sicher im Netz unterwegs sein können. Was unterscheidet Ihre Lösung von anderen?
Sanner: Kinkon.de ist unabhängig. Es entstand aus eigenem Bedarf, denn meine damals 5 jährige Tochter Viviane wollte unbedingt auch einen Apfelcomputer. Ich hatte auf der Arbeit aber leider noch PCs zu bedienen. Da es keine Betriebssystem- und Browserunabhängige Lösung gab, haben wir eben eine gebaut. Kinkon.de verfolgt einen Whitelist-Ansatz, das heißt, statt schlechtes auszufiltern, lässt man Gutes ausdrücklich zu.
Bisher hat sich dieser Ansatz nicht durchgesetzt, weil es immer zu viel Aufwand war, manuell Listen jeweils vor einem einzelnen Rechner zu pflegen. Mit Kinkon.de geschieht dies alles über ein zentrales Portal, somit kann das Wissen, welche Seiten für Kinder in einem bestimmten Alter geeignet sind, von allen Eltern untereinander genutzt werden. Wie haben das Social Bookmarking-Prinzip erweitert und an eine Filterkomponente geknüpft.
Somit ist es dann später auch möglich, unsere Lösung via Mac und Linux-Rechnern zu verwenden. Technisch geht dies schon – wir arbeiten jetzt noch an einer eleganten Lösung für die Nutzer, die notwendigen Einstellungen nicht mehr selbst, sondern über einen Assistenten vornehmen zu lassen.
macmagazin.de: Was ist Innovation?
Sanner: Um ehrlich zu sein – ein anderes Wort für „tüfteln“. Vielleicht eher strukturiertes tüfteln. Natürlich sind viele Innovationen auf hohem akademischen Niveau, aber was ist der Funke der Inspiration, der letztlich dort hin geführt hat? Meistens die Neugierde, etwas anders zu machen, etwas Neues zu versuchen. Und das machen Tüftler doch – oder?
macmagazin.de: Bei den ganzen Projekten, daneben betreiben Sie auch einige Blogs, – haben Sie eine Lösung für die „Work-Life-Balance“ gefunden und was fasziniert Sie am Web 2.0?
Sanner: WLB ist nicht auf Knopfdruck verfügbar oder durch das Lesen schlauer Bücher, von denen auch bei mir etliche im Regal stehen. Denn da gibt es noch den kleinen Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Und daher sage ich hoffentlich auch nie, dass ich jetzt eine Lösung dafür hätte. Ich denke, man kann sich das Leben einfacher oder schwieriger machen.
Häufig sind es sich ändernde äußere Bedingungen, die eine vorhandene Balance aus dem Schwung bringen. Was mir dabei geholfen hat ist „Routine”. So setze ich mich einmal die Woche mit meiner Frau zusammen, um die vergangene und kommende Woche zu besprechen, das hilft dabei, die Beziehung auszubalancieren, denn wir sind beide arbeitstätig, und sehen uns unter der Woche nur selten.
„Respekt“ ist das zweite – vor dem Partner, der Familie, Freunden, Kunden. Allen, die einem im Alltag begegnen – auch diese leben in einer bestimmten Situation, die man meist selbst nicht kennt. Respekt vor diesen Personen macht das Arbeiten und Leben meist einfacher, auch in schwierigen Situationen.
Ach ja – da ist noch etwas – ein Geheimtipp sozusagen: „Nein“ ist ein hilfreiches Wort!
Das Web war auch schon vor der Versionnummer 2.0 faszinierend. Mich hat der Virus im Mai 1986 erfasst. Da las ich einen Artikel über Ted Nelson – dem Mann der schon in den späten 60er Jahren den Begriff „Hypertext“ geprägt hat. Seit dem hat mich das Thema nicht mehr verlassen, und elf Jahre nach dem Lesen des Artikels habe ich dann Ted tatsächlich in San Francisco getroffen, der mich dann noch ”zum Kaffeekränzchen“ mit Douglas Engelbart und Heinz von Förster mitgenommen hat. Wenn das nicht faszinierend ist!
Natürlich ist es auch faszinierend in einer Branche zu arbeiten, in der die Eintrittshürde für eine Gründung nicht mehr das Kapital ist. Vielmehr sind gute Ideen und professionelle Ausführung die entscheidenden Zutaten – und darauf hat man viel leichter Einfluss!
macmagazin.de: Welche Rolle spielt der Buddhismus in Ihrem Leben?
Sanner: Eine regulierende. Es ist zwar für mich schwierig, regelmäßig in meiner Gruppe zu meditieren, ich schaffe es dann aber zumindest zu Hause. Eine der ersten Dinge, die man im Buddhismus lernt, ist der Zusammenhang von Ursache und Wirkung. Und diese Grundwahrheit findet sich überall wieder, sowohl im Privatleben als auch im Beruf. Meditation und die damit verbundene Reflektion hilft mir tagtäglich Situationen mit etwas mehr Abstand zu betrachten, und nicht immer gleich dem ersten Impuls zu verfallen. Es macht das Leben in unserer stressigen Branche etwas leichter.
macmagazin.de: Wie sieht für Sie ein perfekter Tag aus?
Sanner: Aufstehen um 5:30 Uhr, Tasse Kaffee, drei Runden Wii-„Boxen“, lesen, den Tag planen, mit der Familie frühstücken, ins Büro fahren – dort arbeiten mit netten Kollegen – spätestens 17 Uhr zu Hause sein, den Abend mit der Familie verbringen (Spielen, Kino, Lesen …) – der Rest ist dann privat.
macmagazin.de: Wer soll der nächste Gesprächspartner der Reihe „Leute am Mac“ sein? Warum?
Sanner: Till Heppner von Apfelsupport. Ein absoluter Supportcrack der auf jede Frage eine Lösung weiss. Keine Ahnung wie er das macht! Und ein Klasse-Typ!
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