LEUTE AM MAC
08.01.2010
Der Waffen- und Bücher-Narr Jürgen Schrott hat sich als nächste Gesprächspartnerin Renate Blaes gewünscht. Blaes schreibt, fotografiert, setzt, gestaltet und berät beim Aufbau von Blogs. Im Gespräch plaudert sie unter anderem über die wohltuende Wirkung von Katzen und über Zufälle im Leben, die keine sind.
macmagazin.de: Erzählen Sie uns vom Startton Ihres ersten Macs.
Renate Blaes: Nach 25 Jahren kann ich mich daran nicht mehr erinnern. Aber ich erinnere mich noch an den Bildschirm. Der war so klein, dass mit Ach und Krach ein DIN-A4-Format drauf passte – wenn überhaupt. Ich glaube, es passte nicht ganz drauf – ich musste scrollen. Und der Bildschirm war natürlich nicht in Farbe, sondern schwarzweiß. An das kleine schwarze Bömbchen erinnere ich mich auch noch gut, denn wenn es auftauchte, war Verdruss angesagt – zumindest aber Neustart. Und dann konnte man froh sein, wenn man seine Arbeit gesichert hatte …
Trotz allem aber hat das Arbeiten mit dem kleinen Mac viel Spaß gemacht. Vor allem, wenn ich daran denke, was meine Freunde, die alle mit Windows arbeiteten, für einen Stress hatten. Wenn die zum Beispiel in ihrer Textverarbeitung ein Wort fett drucken wollten, konnten sie nicht einfach auf „fett“ klicken, sondern mussten einen Code eingeben. Irgendwelche Hieroglyphen, die man sich aufschreiben musste, so kompliziert waren sie. Überhaupt war der ganze Umgang mit Mac erheblich einfacher als bei PC.
Allerdings stimmte die vollmundige Aussage von Apple, man beherrsche den Mac innerhalb von zwei Tagen, definitiv nicht. Ich habe Wochen und Monate gebraucht, um effizient arbeiten zu können. Ich habe auch relativ viel Geld für individuelle Schulungen ausgegeben, das heißt, ich habe mir einen jungen (und hübschen) Mann geleistet, der mich mit den höheren Weihen des Mac vertraut gemacht hat. Und überhaupt war die Investition damals immens. Für Hardware, Software und Programme habe ich rund 40.000 Mark hingeblättert. Und das für ein Computerchen mit lächerlichen 256 Megabyte Arbeitsspeicher und ein paar Programmen, die nicht ansatzweise das boten, was sie heute bieten.
macmagazin.de: Was geht in Ihnen beim Kauf eines neuen Macs vor? Ist das ein Erlebnis oder nur der Erwerb eines Konsumgutes?
Blaes: Es ist beides. Der Mac ist für mich einerseits ein Werkzeug wie für den Zimmermann die Säge. Aber so ein Handwerker hat bestimmt auch Freude an einer Supersäge, die schnell und geschmeidig durchs Holz gleitet. So geht es mir mit dem Mac. Als ich mir vor eineinhalb Jahren beispielsweise einen iMac geleistet habe, war die Freude groß. Und jeder, der in mein Büro kommt, sagt heute noch: „Wow, hast du einen tollen Bildschirm“. Und ich antworte stolz: „Das ist nicht nur mein Bildschirm, sondern mein ganzer Computer.“ Dann fühlt sich jeder zu einem Blick unter die Schreibtischplatte gemüßigt, weil er nicht glauben will, dass dort kein Tower steht. Dort steht aber nur der Subwoofer meiner kleinen, feinen Apple-Lautsprecher.
macmagazin.de: Verraten Sie uns Ihre drei Top- und eine Flop-Applikation.
Blaes: Mein ultimatives Lieblingsprogramm ist Photoshop. Das nutze ich zur Bildbearbeitung für meine Blogs und diversen Fotoprojekte, und ich produziere damit natürlich Vorlagen für Print-, Web- und Blogdesign. Das Programm ist unglaublich vielseitig und leistungsfähig und damit eine fortwährende Herausforderung, und mit größtem Vergnügen lerne ich täglich dazu. Auf meinem Schreibtisch stapeln sich Photoshop-Fachbücher und -Lehrgänge.
Mein zweiter Liebling ist Fotomagico. Damit gestalte ich meine “Inseln der Ruhe”. Das ist ein anspruchsvolles DVD-Projekt mit Fotos und Chillout-Musik zu bestimmten Themen, zum Beispiel “Jahreszeiten”, “Wasser” und “Wolken”. Fotos und Musik sind auf die Sekunde genau aufeinander abgestimmt, da muss alles hundertprozentig passen. Für die professionelle Umsetzung meiner Vorstellungen ist Fotomagico ideal, weil es so viele Zoom-, Animations- und Übergangsmöglichkeiten bietet. Mittlerweile gibt es auch mehrere Audiospuren. Wirklich klasse, das Programm! Einziger Nachteil ist, dass es nicht automatisch speichert, und eine Zeitleiste fehlt auch noch. Aber die Entwickler arbeiten daran – wie mir gesagt wurde.
Als drittes arbeite ich gern mit InDesign. Das hab ich mir vor ein paar Jahren zugelegt, weil ich mich über das bis dato benutzte QuarkXPress regelmäßig ärgerte. InDesign ist (war es zumindest) um Klassen besser als das olle Quark. Bei Quark gab es seinerzeit zum Beispiel nicht mal Tastaturbefehle für die Werkzeuge. Sehr lästig! Außerdem kann man mit InDesign im Team mit Photoshop und Illustrator arbeiten. Sehr angenehm!
Meine Flop-Applikation ist Keynote. Damit kann man zwar tolle Präsentationen auf die Beine stellen – aber nur für Mac. Sobald die Präsentation für andere Computer bestimmt ist, kann man das Programm in die Tonne treten. Da stimmt gar nix mehr. Auf Foliendauer- und -übergänge abgestimmte Audiodateien entwickeln eine freche Eigendynamik, manchmal kommt es sogar vor, dass sie sich beim Export völlig verkrümeln. Zoom-Effekte, Animationen und Übergänge ruckeln nach dem Export so stark, dass man Augenschmerzen bekommt. Die interaktive Bedienung funktioniert nur teilweise oder überhaupt nicht. Für professionelle Zwecke ist eine aus Keynote exportierte Datei definitiv nicht zu gebrauchen.
Das habe ich aber erst begriffen, nachdem ich eine extrem zeitaufwändige Präsentation fertig hatte. Ich habe die Datei exportiert um sie stolz meinem Kunden zu präsentieren und musste dann zerknirscht feststellen, dass die Arbeit für die Katz war. Der Kunde war darüber auch nicht glücklich, wie sich jeder denken kann. Denn der brauchte die Präsentation für PC. Damals habe ich mich übrigens auf die Suche nach einem Alternativ-Programm gemacht und beim Googeln dann Fotomagico entdeckt. – Ich liebe das Internet!
macmagazin.de: Welches Feature sollten Ihr nächster Mac, Ihr nächster iPod oder Ihr nächstes iPhone unbedingt haben?
Blaes: An Apple-Produkten besitze ich nur den Mac und vertraue voll auf die Entwickler, die ihr Ohr immer am Markt haben. So zum Beispiel ist die “Zeitmaschine” ein Feature, das ich nicht mehr missen möchte. Ich hatte vor einigen Jahren einen Festplatten-Crash, der mehrere Wochen Arbeit vernichtete, weil ich aus Bequemlichkeit (Blödheit) keine Sicherungskopie gemacht hatte. Unter anderem waren die ganzen Korrekturen meines Romanes weg. Dank TimeMachine kann das heute nicht mehr passieren.
macmagazin.de: Welches aktuelle Tagesereignis hat Sie in letzter Zeit besonders bewegt?
Blaes: Nicht mehr ganz so aktuell – ich fand es sensationell aber auch an der Zeit, dass die Amerikaner einen Farbigen zum Präsidenten gewählt haben.
macmagazin.de: Sie haben früher zum Beispiel beim S. Fischer Verlag veröffentlicht, Ihre kunterbunten Katzenbücher bringen Sie selbst heraus. Was stand hinter der Entscheidung, sich von Publikumsverlagen zu lösen?
Blaes: Renommierte deutsche Verlage veröffentlichen keine Kurzgeschichten von relativ unbekannten Autoren. Das ist ein Grund. Der andere Grund ist der, dass ich speziell die Katzenbücher nach meinem Gusto gestalten will. Von A-Z und ohne dass mir irgendein Lektor oder verlagsinterner Designer rein redet. Und gerade InDesign und Photoshop eignen sich prima dazu, ein druckfertiges Layout in Spitzenqualität zu erzeugen. Da brauche ich die Datei nur noch als hochaufgelöste PDF an die Druckerei zu schicken und fertig ist die Laube …
macmagazin.de: Sie bezeichnen sich als Grafikdesignerin, Fotografin und Schriftstellerin. Das sind drei Wünsche auf einmal, welcher Bereich hat für Sie Priorität?
Blaes: Blogberaterin haben Sie noch vergessen … Prioritäten gibt es bei diesen Bereichen nicht, denn alle vier vereinen sich zu einer wunderbaren Symbiose. Und ich bin sehr dankbar dafür, dass mir Gott oder das Schicksal die Gabe geschenkt hat, meine Brötchen mit so schönen und kreativen Tätigkeiten zu verdienen.
macmagazin.de: BoD, Lulu, E-Book, Web: Heute kann nicht jeder nur schreiben, sondern auch veröffentlichen. Ist das für neue Autoren eine Chance oder eher schwierig, weil es schwieriger wird, Aufmerksamkeit zu erlangen? Wie beurteilen Sie derzeit die Entwicklung auf dem Buchmarkt?
Blaes: Es ist beides. Es ist natürlich eine Chance. Aber es ist auch eine Herausforderung, die eigenen schreiberischen Ergüsse kritisch zu betrachten. Ich habe schon BoD- Bücher in Händen gehabt, die so grottenschlecht waren, dass ich sie nach dem ersten Durchblättern in den Papierkorb geschmissen habe. Durch dieses relativ neue Verfahren kommt viel Müll auf den Markt. Aber auch bekannte Verlage veröffentlichen Müll – wie wir alle wissen. Ein Buch unters Volk zu bringen, ist aber so oder so nicht einfach. Geld für flächendeckende Werbung und Public Relations geben Verlage nur für bekannte Autoren aus. Bei meinen Romanen, die alle bei renommierten Verlagen erschienen sind, habe ich die PR zum großen Teil selbst übernommen. Also jeden für mich relevanten Feuilleton-Redakteur angerufen und jedes Rezensionsexemplar mit persönlichem Anschreiben verschickt. So was ist Eichhörnchenarbeit, aber sie lohnt sich.
macmagazin.de: Katzen und Schriftsteller scheinen zusammenzugehören. Warum ist das so und was können sie von ihnen lernen?
Blaes: Ich denke, das ist eine Mär. Es gibt zwar viele Schriftsteller, die Katzen lieben, aber es gibt sehr viel mehr „normale“ Zeitgenossen, die ihr Leben mit Katzen teilen. Die Katze ist des Menschen liebstes Haustier, zumindest hier in Deutschland.
Ansonsten ist so eine zwischen Tastatur und Maus ruhende Katze einfach Balsam für die Seele. Wenn sie so da liegt, völlig losgelöst von irgendwelchen Ärgernissen, schnurrt, schläft, träumt und mit den Pfötchen zuckt, dann geht mir das Herz auf. Und zwischendurch Hände oder Nase in ihrem kuschelweichen Fell zu vergraben, ist gut fürs Gemüt. Katzenbesitzer haben deshalb auch weniger psychische Probleme als andere Zeitgenossen – heißt es zumindest.
Was man von Katzen lernen kann? Selbstbewusst und zielstrebig durchs Leben zu gehen, das zu tun, was man für richtig hält und sich nicht „dressieren“ zu lassen.
macmagazin.de: Glauben Sie an Astrologie?
Blaes: Glauben im Begriff des Wortes nicht. Aber ich habe interessante Erfahrungen mit Astrologie gemacht. Mir wurde zum Beispiel vor vielen Jahren, als ich im Traum noch nicht ans Schreiben von Geschichten und Romanen dachte, von einer Astrologin vorausgesagt, dass ich schreiben würde.
Tja, und nun schreibe ich seit über zwanzig Jahren. Aber nicht, weil die Astrologin es vorher gesagt hat, sondern weil es sich durch wundersame Umstände so ergeben hat. Und es macht mir immer mehr Spaß. Schreiben ist so ähnlich wie der Umgang mit Photoshop. Man lernt täglich dazu … wenn man mag. Das ist die Voraussetzung – man muss Freude haben an der eigenen Entwicklung. Ich persönlich freue mich wie ein Kind vorm Weihnachtsbaum, wenn ich wieder was begriffen und gelernt habe, von dem ich gestern noch keine oder nur eine blasse Ahnung hatte.
macmagazin.de: Welchen Wunsch, welchen Traum wollen Sie sich im Leben noch unbedingt erfüllen?
Blaes: Wenn ich mein Leben so weiter leben kann, wie ich es zur Zeit lebe, bin ich zufrieden und dankbar. Trotzdem habe ich einen großen Wunsch: einen kompetenten Vertriebspartner für mein Herzensprojekt, die oben erwähnten “Inseln der Ruhe”, zu finden. Wenn mir das gelänge, wäre ich der glücklichste Mensch der Welt.
macmagazin.de: Wer soll der nächste Gesprächspartner der Reihe „Leute am Mac“ sein? Warum?
Blaes: Der Multimedia-Spezialist Heiko Böttner. Heiko bin ich per Zufall (ich glaube nicht an Zufälle!) über den Weg gelaufen. Ich war auf der Suche nach einem Profi, der meine Fotomagico-Diashows in zwei Versionen exportiert. Einmal für Fernseher in PAL und einmal für Computer als HD-Film – beide Dateien aber auf nur eine DVD gebrannt. Und das mit einer Superqualität, also scharf einerseits und ohne das leidige Ruckeln andererseits. Dieser Herausforderung haben sich mehrere Fachleute gestellt, gelungen ist es aber nur Heiko, dem „Tüftler“. Der hat hochkomplexe Parameter und Codexes so kombiniert , dass sie meine und seine Erwartungen erfüllen. Das hochprofessionelle Ergebnis kann sich sehen lassen! Dazu kommt noch, dass Heiko schnell und zuverlässig arbeitet. Und ein sympathischer Zeitgenosse ist er obendrein. Durch diese Kombination ist er bestimmt ein interessanter Interview-Partner für Ihr Magazin und Ihre Leser.
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