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APPLE SCHEUCHT DIE TABLET-BRANCHE

07.01.2010


Tablet und E-Book auf der CES

von Marcel Magis

Der Tablet-Zug rollt – vorerst ohne Apple. Damit hat auch ein flächendeckender Angriff auf dedizierte E-Book-Reader mit E-Ink begonnen. Microsoft hat bereits 2001 einen Versuch unternommen, Tablet-PCs zu etablieren, der jetzige Hype hat andere Hintergründe, neue Display-Technologien sind verfügbar. Auch in Sachen Bedienkonzepten hat sich in den Entwicklerstuben aber auch im freien Feld viel getan.

Apple hat mit seiner Interpretation von Multitouch gezeigt, wie man Maus und physische Tastatur elegant ersetzen kann. Auf der CES 2010 sind beide Gattungen vertreten, E-Book-Reader und Tablets – die Grenzen verschwimmen.

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Ballmer, die CES-Keynote und der andere Steve

Die Newskanäle weltweit liefen gestern heiß: Ballmer würde zur Eröffnung der CES in Las Vegas einen neuen Tablet PC präsentieren, den der Konzern mit HP zusammen entwickelt habe. Die Wirklichkeit sorgte für Ernüchterung: Obwohl ein Microsoft-Team mit dem Projekt Courier eine ansprechende Demonstration lieferte, wie ein Tablet mit zwei Bildschirmen mit Inhalten umgehen könnte, wies Ballmer – wohl in Anlehnung auf Apples “iSlate” – auf zwei “Slate PCs” hin.

Die erhoffte Sensation entpuppte sich als Tablet PC von HP, ein Gerät ohne große Überraschungen. Bei der Präsentation wirkte es so, als wisse Ballmer selber nicht, was er mit dem Slate PC anfangen soll: Nach einer kurzen Demonstration der Kindle-Software lobte er lediglich das “Touch-Erlebnis” und wechselte das Thema.

Der HP läuft mit Windows 7, wird einen Multitouchscreen haben und soll noch dieses Jahr erscheinen. Einige hochauflösendere Pressefotos existieren bereits, das war es aber auch schon mit den Informationen.

Wenn es Microsofts Ziel gewesen sein sollte, Apple die für den 26. oder 27. Januar erwartete Show zu stehlen, dann darf man das als mißlungen bezeichnen. Eher hat die lustlose Präsentation die Spannung auf Apples Tablet erhöht.

Amazon liefert Kindle DX international aus

Nach dem “normalen” Kindle liefert Amazon USA auch den Kindle DX in heimische Gefielde – pünktlich, bevor die Tablet-Show in Las Vegas steigt. Der E-Ink-Bildschirm ist 9,7 Zoll groß, Seiteninhalte dreht das Gerät automatisch. Der Kindle II verfügt über ein 6-Zoll-Display. Wie beim kleinen Bruder lassen sich Bücher über UMTS erwerben, die Funkgebühren dafür zahlt Amazon. Nach wie vor kann man allerdings nur englischsprachige Bücher erwerben. 489 US-Dollar kostet das Gerät, laut Heise.de muss man mit rund 120 Dollar Zoll und Versand rechnen – insgesamt derzeit also fast 425 Euro.

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Angesichts der Neuvorstellungen sollte man sich einen Kauf gut überlegen. Zudem konnte der Kindle DX in seinem eigentlichen Anwendungsgebiet – Fachlektüre für Studenten – nicht überzeugen, wie ein Probelauf an der University of Wisconsin-Madison ergeben hat. Die Kritik: Notizen lassen sich nur umständlich verfassen, noch dazu kennt das Gerät bei den vorinstallierten Werken keine Seitenzahlen, sondern zeigt lediglich eine Prozentzahl an – ein wissenschaftliches Zitieren ist damit nicht möglich.

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Der Direktor der UW Libraries Kenneth Frazier zeigt sich von den “fundamentalen Fehlern” dieses speziellen Gerätes entsetzt und verweist auf Apple: Von diesem Hersteller komme bald elektronischer Medien-Abspieler, der auch als E-Book-Reader herhalten kann. Und der iPod touch zeigt, dass Apple wesentlich benutzerfreundlichere Geräte baue, vor allem auch für Menschen mit Handikap.

Edge: Zwei Displays für ein E-Book

Auf der CES 2010 stellt Entourage den neuen E-Book-Reader Edge vor, der den Kindle DX bereits heute alt aussehen lässt. Das Gerät lässt sich wie ein Buch aufklappen, auf der linken Seite besitzt es ein 9,7 Zoll großes E-Ink-Display mit 1200 mal 825 Pixeln Auflösung, die rechte Seite nimmt ein 10,1 Zoll großes LCD-Touchdisplay mit 1024 mal 600 Pixeln ein. Auf dem E-Ink-Display lassen sich über einen Stift zum Beispiel Markierungen machen und handschriftliche Notizen eingeben. Alternativ kann man auch die virtuelle Tastatur auf dem Touchscreen bemühen.

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Schön ist die Möglichkeit, auf dem E-Ink-Display mit dem Stift Text zu markieren und auf dem LCD-Bildschirm den Webbrowser danach suchen zu lassen – auf einer Demo-Webseite kann man das gut nachvollziehen.

Durch den LCD-Bildschirm sinkt naturgemäß die Laufzeit, sechs Stunden sind es mit LCD, mehr als 16 Stunden mit dem E-Ink-Display.

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Pfiffig am Zwei-Monitor-Konzept ist noch eine andere Eigenheit: Eines der Displays lässt sich abgeklappt als Ständer verwenden, um das Gerät schräg abstellen zu können. Ansonsten enthält es WLAN und Bluetooth, über das man eine externe Tastatur verbinden kann. In Zukunft soll man über ein mobiles USB-Modem auch UMTS nachrüsten können.

Der interne Speicher ist mit vier Gigabyte eher knapp bemessen, schließlich landen neben E-Books im ePub- und PDF-Format auch Video- und Musikdateien auf dem Gerät. Als Betriebssystem kommt Googles Android zum Einsatz.

Das Start-Up-Unternehmen arbeitet mit mehreren amerikanischen Schulbuchverlagen zusammen, um Inhalte für das Gerät anbieten zu können. Daneben will man einen eigenen Shop mit 200.000 Titeln füllen, zudem hat man Zugriff auf die Google Public-Domain-Bibliothek mit mehr einer Million Büchern. Der Preis liegt ebenfalls bei 490 US-Dollar und ist damit genau so hoch wie beim Kindle DX – andere Farben als Dunkelblau kosten allerdings 40 Dollar extra.

Ab Februar soll der Edge in den USA erhältlich sein.

Liquavista: Farbiges E-Ink

Auf der CES präsentiert Liquaviste zusammen mit den Holländern von BeBook ein Gerät mit farbigem E-Ink-Display. Von einer “Revolution des E-Reader-Marktes” ist da vielleicht etwas hochtrabend die Rede – beeindrucken kann zumindest – neben der Farbfähigkeit – die “Umblättergeschwindigkeit”. Die Trägheit des E-Ink-Bildschirms des derzeitigen Quasi-Monopolisten ist noch eines der größten Probleme bei dieser Technologie.

Die Technologie nennt Liquavista Electrowetting, sie soll sogar schneller sein als herkömmliche LCDs, in der Herstellung billiger und weniger Strom verbrauchen. Die Display-Technik könnte sich damit zu einer ernsthaften Konkurrenz zu Pixel Qi entwickeln und soll nach E-Books auch in Mobiltelefonen und später Notebooks und Fernsehgeräten zu finden sein.

Letzteres dürfte wenig überraschen, wenn man weiß, dass Liquavista ein Spin Out der Philips-Entwicklungsabteilung ist.

Neben BeBook/Endless Ideas zeigen sich auch andere Unternehmen am neuen Bildschirm interessiert: Heute hat der Hersteller Kooperationen mit GBO Design-Engineering und Texas Instruments bekannt gegeben. GBO will den E-Book-Reader mit dem Projektnamen “the Pebble” mit 6 Zoll-Touch-Display auf den Markt bringen.

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Ausschließlich an OEM-Kunden will sich Texas Instruments wenden, die Hardware und eine Entwicklungsumgebung für ein E-Book-System liefern wollen. Auch TI verwendet den Liquavista-Bildschirm und verspricht, dass eine Akkuladung für 14.800 Seiten reiche – die bisher besten E-Book-Geräte brächten es lediglich auf 10.000 Seiten. Die Stand-by-Zeit reiche sogar für vier Wochen. Als Prozessor soll der OMAP3621 dienen, der auf dem ARM Cortex-A8 basiert. Ein Hardware-Controller Chip wie in bisherigen Designs ist nicht mehr nötig. Etwas gedulden muss man sich aber noch, erst im Sommer 2010 könnten erste Geräte auf den Markt kommen.

E-Book Reader versus Tablet

Die bisherigen E-Book-Reader wie jene von Sony und Amazon orientieren sich am gedruckten Buch – allein der Bildschirm legt sie auf wenige Graustufen fest, dafür kommt die Darstellung durch die elektronische Tinte einer gedruckten Buchseite sehr nah. Ein weiterer Vorteil ist Sparsamkeit, lediglich bei der Darstellung einer neuen Seite benötigt das Display Strom – das reicht für 4000 bis 7000 Seiten mit einer Akkuladung.

Um den derzeitigen Wirbel um Tablet PCs verstehen zu können, muss man sich den Erfolg des iPhones ansehen. Die Medienindustrie hat das Potential des iPhones erkannt und testet wie zum Beispiel die Süddetsche Zeitung Abomodelle auf dem Handy aus.
Dabei kann das iPhone nur ein Kompromiss sein: Unerreicht mobil ist es , für die Darstellung längerer Artikel mit Bildern aber ist das Display schlicht zu klein. Ein neues Gerät muss her, das ebenfalls “tragbar” ist, aber zumindest Magazinartikel in angenehmer Größe zeigen kann.

Was mit den multimedia-fähigen Geräten möglich ist, zeigen erste Studien wie von Sports Illustrated. Der Lehrbuchverlag CourseSmart hat sich ebenfalls Gedanken gemacht und zeigt in einem Video, wie ein “Fachbuch” der Zukunft aussehen könnte.

Weitere Informationen zu neuen Bildschirm-Technologien auf macmagazin.de findest Du hier.

Bild: myuibe, “有礼 有节 流云 行板”. Some rights reserved. Flickr
Bild: PrimeImageMedia.com, “Amazon Kindle DX Teleprompter”. Some rights reserved. Flickr

1 Kommentar

Tweets die Tablet und E-Book auf der CES « Macmagazin erwähnt — Topsy.com am 07.01.2010 19:53

[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von MacMagazin.de, Rene Nachtnebel ✔ erwähnt. Rene Nachtnebel ✔ sagte: #Apple: macmagazin.de: Ballmer, Tablets, E-Book-Reader auf der CES 2010 http://bit.ly/6tI2kC [...]

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