VON TABLETS, BILDSCHIRMEN UND BEWEGUNGSSENSOREN
04.01.2010
Sie ist der Superbowl unter den Gadget-Messen: die CES. Am Mittwoch Abend wird Microsoft-Chef Steve Ballmer erneut mit einer Keynote die Show in Las Vegas offiziell eröffnen. Wie im letzten Jahr ist Apple trotz Absage der Macworld erneut nicht auf der Messer vertreten, Steve Jobs kann sich in Ruhe auf ein am 26. Januar vermutetes Apple-Event vorbereiten.
Eines muss man Google lassen: Die strategische Ausrichtung mit Diensten wie Maps, Books, Android und Chrome beginnt, Früchte zu tragen. Google kommt der CES zuvor und hat bereits für den 5. Januar einen Android-Pressetermin anberaunt. Sehr wahrscheinlich präsentiert der Suchriese das Nexus One, ein Smarthandy aus der HTC-Schmiede, das Google auch direkt über sein Portal verkaufen will.
Der Frühstart von Google könnte aber noch eine andere Überraschung bereit halten, HTC arbeitet angeblich auch an einem Touch-Tablet-PC und hat mehrere “funktionstüchtige Geräte” entwickelt; eines davon soll auf dem Google-Betriebssystem Chrome basieren.
Es scheint, als habe der Wirbel um das Apple Tablet die Mitbewerber aufgeschreckt, wie auch AppleInsider berichtet: Auf der CES darf man etliche Tablet-Vorstellungen erwarten. Schließlich wollen die Hersteller und Mitbewerber etwas vom vermeintlich großen Kuchen abhaben, bevor Apple mit einem Tablet die Aufmerksamkeit bündeln könnte.
Der Prozessorhersteller Freescale kommt der CES noch zuvor und hat nun das Referenz-Design für seine Tablet-Vision vorgestellt. Das 7-Zoll-Touch-Gerät mit ARM-Prozessor soll mit Kamera, Mikrofon und Lautsprecher ausgerüstet sein, für drahtlose Verbindungen stehen UMTS, Bluetooth und WLAN zur Verfügung.
Interessanter als die harte Ware dürfte in diesem Fall das weiche Rauschen der Geldbündel sein: Auf dem Design basierende Geräte sollen für unter 200 US-Dollar über die Ladentheken gehen. Als Betriebssystem sieht Freescale Linux und Android vor, auf der CES kann man erste Protoypen in die Hand nehmen. Mitte des Jahres könnten fertige Geräte in den Handel gelangen, sofern sich flinke Hersteller begeistern lassen.
Nintendo hat es mit Wii und DS vorgemacht, Apple mit dem iPhone: Statt Maus, Tastatur, Gamepad und Joystick bringen Bewegungssensoren die Spielewelt ins Rollen, durch Touch entfällt Bedrückendes: Gesten und Berührung ersetzen Klick und Mauskommando, mit der Magic Mouse konsequent auch am Desktop-PC. Tatsächlich sind wir mittendrin in einer Neudefinition der Schnittstelle zwischen Anwender und Maschine.
Das betrifft – unabhängig vom Tablet-Hype – auch Displays. Flexible Bildschirme lassen völlig neue Bauformen zu, mit dem Zulieferer für das “One Laptop Per Child”-Projekt Pixel Qi steht eine weitere Display-Evolution an: Der neue Bildschirm ist stromsparend, flach, supergünstig und vereint die Vorteile von E-Ink und LCD. Er lässt sich zwischen zwei Betriebsarten umschalten. Eine ähnelt den Bildschirmen mit elektronischer Tinte, man kann damit auch bei direkter Sonneneinstrahlung alles erkennen, auf Farbe und Hintergrundbeleuchtung muss man dann allerdings verzichten. Auf der CES soll man erste fertige Geräte mit dem neuen Bildschirm in Augenschein nehmen können.
Warten muss man hingegen noch auf das Project Natal für die Xbox 360, mit der Microsoft Nintendos Wii überholen will: Spiele soll man mit dem ganzen Körper steuern können. Zum Weihnachtsgeschäft 2010 soll das System erhältlich sein. Sony hat mit EyeToy bereits für die Playstation 2 eine erfolgreiche Bewegungs-Erkennung vermarktet, eine Weiterentwicklung könnte bereits im Frühjahr folgen.
Das klingt weit weg von der täglichen Computerarbeit mit Photoshop und Final Cut, Satzprofis arbeiten auch im fortgeschrittenen Mauszeitalter oft noch mit LaTex.
Die jüngste Entwicklungen bei Apple und auch einige Patentanträge weisen aber darauf hin, dass Apple – mit dem Mac bereits Vorreiter in der Definition einer Schnittstelle zwischen Anwender und Rechner – sich mehr oder weniger vorsichtig an einen natürlicheren Umgang mit dem Computer wagt.
Die CES wird zeigen, wie die Industrie mit den neuen Möglichkeiten umgeht. iPhone und Wii haben gezeigt, dass Ideen wichtiger denn je sind und Anwender diese nicht in Maßen, sondern massenhaft annehmen.
Dieser Artikel wurde inspiriert von: VentureBeat
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