LEUTE AM MAC
29.12.2009
Daniel Haver von Native Instruments hat sich als nächsten Gesprächspartner Andreas Lehmann gewünscht. Der ehemalige Springer & Jacoby-Kunst Direktor führt heute seine eigene Agentur ad.quarter, in der er die Abteilung “Nerven” leitet. Neben seiner Mac-Geschichte erzählt er auch, was ein Reklamekleber ist, welchen Künstler er gerne kennen lernen würde und warum er die erste Geige spielt.
macmagazin.de: Erzählen Sie uns vom Startton Ihres ersten Macs.
Andreas Lehmann:: Der erste Startton meines ersten Macs ging vor Aufregung und freudiger Erwartung unter. Ich hatte dafür drei Monate in einer Wälzlagerfabrik gearbeitet. Das war 1993 ein LC 475, der heute immer noch bei mir auf dem Schreibtisch steht und auf dem mein MacBook Pro platziert ist.
macmagazin.de: Was geht in Ihnen beim Kauf eines neuen Macs vor? Ist das ein Erlebnis oder nur der Erwerb eines Konsumgutes?
Lehmann:: Der Kaufakt dauert wenige Sekunden und wird über das Telefon erledigt. Sich dann aber mit dem kleinen Freund zu beschäftigen, das System und die Programme auf seine noch leere Platte zu schieben und ihn damit immer mehr zu einem Partner werden zu lassen, das macht reichlich Spaß.
macmagazin.de: Verraten Sie uns Ihre drei Top- und eine Flop-Applikation.
Lehmann::
Tops meiner Kinder (3 und 9 Jahre)
a. iDrum
b. NLog Free
c. SmackTalk
Flops gibt es für Kinder nicht.
Tops und Flops gibt es für mich nicht, da ich nur die Standard-Apps nutze.
macmagazin.de: Welches Feature sollten Ihr nächster Mac, Ihr nächster iPod oder Ihr nächstes iPhone unbedingt haben?
Lehmann:: Mein Wunsch für die Books wäre eine “Hybridbatterie” die mit einer Wasserstoffkartusche aufzufüllen ist. Das ist testweise schon gelaufen und wäre ein schöner Gedanke für die Umwelt.
macmagazin.de: Welches aktuelle Tagesereignis hat Sie in letzter Zeit besonders bewegt?
Lehmann:: Das Treffen eines Modells des Mailänder Doms mit dem Gesicht von Berlusconi. Ich sage da nur, völlig wertfrei: Gott ist gerecht.
macmagazin.de: Ihre Agentur macht unter anderem Werbefilme, zum Beispiel für Flensburger, mit der Webseite betritt man ein virtuelles Kino, das vor allem mit “unruhigen” Mitarbeitern gefüllt ist. Wann waren Sie das letzte Mal im Kino und ist es da wirklich so schlimm?
Lehmann:: Ich war das letzte mal gestern im Kino. Es gab Walt Disneys “KÜSS DEN FROSCH”, offiziell für die Kinder. In der Tat hat man ja als Werbetreibender eine andere Sicht auf die Dinge, wenn man weiß, wie viel Geld und Arbeit hinter jedem Spot stecken und wie schlecht diese dann zur Geltung kommen. Licht an und Ton weg während des Werbeblocks ist normal.
macmagazin.de: Worin genau besteht die Funktion eines “Direktor Abteilung: Nerven” bei ad.quarter? Und was ist ein “Reklamekleber”?
Lehmann:: Ein Direktor der Abteilung Nerven ist dafür zuständig, Ruhe zu bewahren. Da ich ein sehr emotionaler Mensch bin, bin ich derjenige, der sich als erster am lautesten aufregt und alle in den Wahnsinn treibt. Danach bin ich die Ruhe selbst, egal, was noch kommen mag.
Ein Reklamekleber ist jemand, der noch gelernt hat, seine Layouts zu kleben, da die Computer zu Beginn noch nicht genügend “Hirn” hatten, um eine vollständige Anzeige zu erstellen. Da ich die “Phantasiebezeichnungen” der Branche schon immer ziemlich albern fand, habe ich so meinen eigenen Scherz mit ernsthaftem Hintergrund kreiert. Kunst Direktor wollte ich einfach nicht mehr sein.
macmagazin.de: Wie kommt man als “Kunst Direktor” zu Springer & Jacoby und warum steigen so viele wieder aus und leiten dann selbst erfolgreiche Agenturen?
Lehmann: Als Kunst Direktor kommt man nicht so einfach zu Springer & Jacoby, aber als Praktikant hatte ich eine Chance, wohlgemerkt nach Beendigung meines Studiums. Wenn man dann, wie es hier in Hamburg heißt, “einen Schlag reinhaut”, wird man zum Kunst Direktor.
Bei S&J habe ich in sehr kurzer Zeit unglaublich viel erlebt und gelernt. Mit Psychopaten und auch netten Menschen viele Nächte und Wochenenden zu verbringen und zu vergessen, was außerhalb der Agenturräume passiert. Das sind, knapp gesagt, die Gründe, warum man aufhört und warum man selbständig werden möchte.
Mit diesem Wissen waren meine Kollegen und ich der Meinung, man könnte die Selbständigkeit wagen. Vor der Leistung der beiden Herren Springer und Jacoby habe ich zumindest Hochachtung, auch wenn das nicht mein Weg sein könnte. Dazu muss man einfach der Mensch sein.
macmagazin.de: Wie wichtig ist Ihnen Musik?
Lehmann:: Musik ist sehr wichtig für mich. Ich mache jeden Tag Musik. Mische gerne Songs zusammen und versuche mich auch an Instrumenten, die ich einfach spannend finde. Mein ursprüngliches Instrument ist die Geige.
macmagazin.de: Welchen Künstler würden Sie gerne kennenlernen?
Lehmann:: H.R. Giger und oder Andres Serrano.
macmagazin.de: Wovon träumen Sie?
Lehmann:: Von unbeschreiblichen Dingen, die ich hier nicht erklären könnte.
macmagazin.de: Wer soll der nächste Gesprächspartner der Reihe „Leute am Mac“ sein? Warum?
Lehmann:: Jochen Graf. Unter anderem Geschäftsführer der Firma GPSoverIP GmbH. Ich kenne ihn schon seit 36 Jahren und wir verstehen uns immer noch!
Er ist ein sehr intelligenter Kopf mit einem Hang zu Innovationen, für die er mit seiner Firma bereits mehrere Preise bekommen hat.