SCHREIBSOFTWARE FÜR KREATIVE AM MAC
21.12.2009
Nach einigen Ausflügen in die Welt der Editoren steht in unserer Reihe “Schreiben im Fokus” nun eine Textverarbeitung im Fokus, die Word komplett ersetzen kann: Papyrus Autor III. Einges an Aufsehen hat die einmalige Stilanalyse erregt, die auf dem 10-Punkte-Programm des Bestseller-Autors Andreas Eschbach basiert.
Eine sanfte Evolution sei Papyrus Autor III, schreibt der deutsche Entwickler Ulli Ramps: Man habe viele Anregungen der Anwender umgesetzt. Eine der auffälligsten neuen Möglichkeiten ist es, den Text nun auch zentriert anzeigen zu lassen – das Klemmbrett findet man dann statt am rechten Rand auf den linken und rechten Rand verteilt. Besonders sinnvoll ist die neue Einstellung in der Vollbildschirm-Ansicht.
Auf dem Klemmbrett, dem man auch ein eigenes Hintergrundbild spendieren kann, lassen sich Notizzettel, Texte und Bilder ablegen, mit der neuen Version kann jedes Dokument nun acht Klemmbretter verwalten, die sich über Reiter umschalten lassen.
Hinzu gesellt sich nun ein interner Notizblock: Beim ersten Start fragt Papyrus nach, ob man eine Verknüpfung auf dem Schreibtisch anlegen möchte – die eigentliche Datei haben die Entwickler im Programme-Ordner versteckt, damit der Anwender sie nicht verlegt oder versehentlich löscht.
Ebenfalls auf Anwender-Anregung hin besitzt Papyrus Autor III nun eine Autokorrektur, die ähnlich wie Microsoft Word zum Beispiel Worte am Satzanfang mit Großbuchstaben versieht, aber auch Buchstabendreher korrigiert. Die Entwickler raten aber von dieser Funktion ab, da man sich sonst das präzise Tippen „versaue“. Rechtschreibprüfung und Stilanalyse lassen sich zudem für jedes Dokument einzeln an- und ausschalten, Papyrus speichert die Einstellung mit dem Dokument.
Eine Datenbank für Charaktere besaß Papyrus schon zuvor (im Ordner Vorlagen), nun lässt sich diese nutzen, um Kapitel nach ihnen zu durchsuchen. Papyrus III legt eine Liste mit Kapitel und den Charakteren im Text an, zählt, wie häufig man sie verwendet hat und verlinkt zur richtigen Textstelle – auch “Pseudonyme” lassen sich zuordnen, Beugungen erkennt die Software ebenfalls. Wer zum Beispiel einen umfangreichen Roman mit viel Personal schreibt, wird diese Funktion schnell zu schätzen wissen.
Wer geglaubt hat, dass Papyrus bereits alle Statistik-Möglichkeiten abgedeckt hat, wird eines Besseren belehrt: In der Inhaltsübersicht kann man sich nun auf einen Blick anzeigen lassen, wie viele Wörter und Absätze jedes Kapitel enthält.
Hier endet die Liste der Neuerungen und Änderungen nicht, Papyrus III Autor baut seinen Status als das Programm für Schriftsteller weiter aus.
Die Stilanalyse ist im deutschsprachigen Raum einmalig, hinzu kommt noch die – jetzt eben am gleichen Ort zuschaltbare – Stilanalyse des Duden Korrektor, die Fremdwörter, Umgangssprache, veraltete Wörter und Dialekt aufspürt. Ein Synonym-Wörterbuch ist ebenfalls an Bord, eine Änderungsverfolgung selbstverständlich.
Praxisnah sind auch das – verbesserte – Anlegen von Normseiten und die Markierung von Sätzen als “perfekt” mit Schutz vor Änderungen. Zielvorgaben visualisiert Papyrus mit einem Balken.
Es gibt aber einen Grund, warum Papyrus dann doch nicht für jeden Autor das optimale Programm ist: Es erschlägt einen förmlich mit Funktionen und ist an manchen Ecken und Enden wenig übersichtlich. Die Software verführt dazu, an den zahlreichen Einstellungen herumzuspielen. Gewöhnungsbedürftig ist auch die Optik, der man aber mit ein paar Mausklicks auf die Sprünge helfen kann.
Papyrus Autor III ist trotz der kleinen Mäkeleien ein gelungenes Stück Software, besonders für die letzte Korrekturphase. Für 149 Euro erscheint die Software auf den ersten Blick kein Schnäppchen zu sein, für professionelle Autoren ist sie aber jeden Cent wert. Das Upgrade von Papyrus Autor I kostet 59 Euro, von Version II 29 Euro. Kunden, die Papyrus Autor II innerhalb der letzten drei Monate gekauft haben, erhalten die neue Version kostenlos. Eine Demo-Version ist auf der Webseite des Anbieters erhältlich.
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