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LEUTE AM MAC

18.12.2009


Wer ist eigentlich Jürgen Schrott?

von Marcel Magis

Der Spiele-Entwickler und „-Philosoph“ Teut Weidemann hat sich als nächsten Gesprächspartner Jürgen Schrott gewünscht: Der IT Profi hat einen explosiven Nebenberuf, macmagazin.de geht in Deckung und stellt aus dem Hinterhalt investigative Fragen. Und so erzählt Schrott über seine Karriere als Waffenhändler und von der begeisterten Entdeckung des E-Books auf dem iPhone.

Garatiert verrät er auch den nächsten Gesprächspartner für macmagazin.de

jschrott

macmagazin.de: Erzählen Sie uns vom Startton Ihres ersten Macs.
Jürgen Schrott: Meine Mac-Einstiegsdroge war 1985 einer der ersten Mac 128K, der in Deutschland ausgeliefert wurde. Der Startton war also nur ein dezentes „Bing“. Das gute Teil hatte keine interne Festplatte und ich habe mir als Gipfel des Luxus dazu ein externes Diskettenlaufwerk gegönnt …
Binnen kürzester Zeit wurde mein Baby dann auf 512K aufgerüstet und mittels eines SCSI-Interfaces (tolle Konstruktion mit Prozessor-Klammer) mit einer internen 20 Megabyte Platte versehen. Diesen Mac besitze ich heute noch – und er läuft auch noch!
Und seit dieser Zeit bin ich dem Mac verfallen.

 

macmagazin.de: Was geht in Ihnen beim Kauf eines neuen Macs vor? Ist das ein Erlebnis oder nur der Erwerb eines Konsumgutes?
Schrott: Also Erlebnis auf alle Fälle! Ich verbringe die meiste Zeit des Tages vor meinem Mac und da ist der Kauf eines neuen „Partners“ schon immer etwas Besonderes. Aber es ist weniger der Kauf, als das anschließende Auspacken und Aufstellen, was bei den Apple-Produkten absolut genial ist. Denn so wie Apple die Verpackungen seiner Rechner gestaltet – vom iPod bis hin zu den Macs, das macht das Auspacken wirklich zu einem sinnlichen Akt, zu einer wahren Freude. Da können andere Hersteller noch einiges davon lernen.
Wenn man seinen Neuzugang dann aus der Verpackung holt und ihn dann an seinen Arbeitsplatz stellt – das hat für mich immer was von einem Neuanfang, das gibt auch irgendwie neuen Schwung: Alles ist schöner, schneller, man hat einfach wieder mehr Spaß am Arbeiten. Die Sonne scheint, die Vöglein zwitschern, das Leben ist lebenswert …

 

macmagazin.de: Verraten Sie uns Ihre drei Top- und eine Flop-Applikation.
Schrott: Hmmmm… Absolutes Top ist für mich TimeMachine. Das Wissen, dass meine Daten stündlich aktuell auf die TimeCapsule (steht bei mir im Tresorraum im Keller, sicher vor allen Zugriffen) geschrieben werden, gibt mir ein verdammt gutes Gefühl. Und gebraucht habe ich diese Sicherheit schon, als bei meinem iMac mitten während der Arbeit die Festplatte den Geist aufgegeben hat. Ohne TimeMachine wäre das eine Katastrophe gewesen!
Dann versüßt mir iTunes den ganzen Tag mit Musik (über mehrere Airport Express an diversen Stereoanlagen im ganzen Haus verteilt) und den Abend auch mit Filmen (über AppleTV auf dem Fernseher), also wäre iTunes meine 2. Top-Applikation – obwohl ich auch genügend Leute kennen, die iTunes genauso abgrundtief hassen, wie ich es liebe.
Also mal alles Standard-Applikationen, die alle in Mac OS X enthalten sind – demnach die absolute Über-Applikation!
Flops hatte ich in letzter Zeit am Mac eigentliche irgendwie keine mehr. Da sind eher diverse iPhone-Apps Kandidaten – aber man lädt sie sich, testet sie und wenn´s Mist sein sollte, fliegen sie gleich wieder runter. Da schafft´s dann irgendwie keine App bis zum echten Flop-Status…

 

macmagazin.de: Welches Feature sollten Ihr nächster Mac, Ihr nächster iPod oder Ihr nächstes iPhone unbedingt haben?
Schrott: Das iPhone könnte eine längere Batterielaufzeit vertragen, aber ansonsten bin ich mit den Apple-Produkten eigentlich mehr als zufrieden.

 

macmagazin.de: Welches aktuelle Tagesereignis hat Sie in letzter Zeit besonders bewegt?
Schrott: Da fällt mir eigentlich spontan nur die letzte Bundestagswahl ein. Durch mein Hobby (und meinen Zweitberuf) hatte ich am Ausgang der Wahl ein gesteigertes persönliches Interesse.

 

macmagazin.de: Teut Weidemann, der Sie vorgeschlagen hat, bezeichnet Sie als „einen der besten Mac-Netzwerk-Techniker“, den er kennt. Mit einem interessanten Nebenjob: GunRack: Wie kamen Sie zum „Waffenhandel“ und was fasziniert Sie an Waffen?
Schrott: Erst mal Danke Teut für die Blumen!
Und das mit dem Waffenhandel? Puh – lange Story. Schon als Jugendlicher war ich in einem Schützenverein und schoss mit der Luftpistole, aber das ist mit meiner Bundeswehrzeit irgendwie eingeschlafen. Das Interesse an Waffen allerdings nie. Im zarten Alter von 35 Jahren habe ich dann spontan das Großkaliberschießen angefangen. Und von da an war´s um mich geschehen.
Und irgendwann hatte ich die Schnauze voll von den teilweise unglaublich miesen Webangeboten, die damals im Waffenbereich existierten (da hat sich glücklicherweise viel getan) und beschloss, einen eigenen Webshop aufzuziehen, einen, bei dem ich als Kunde selber gerne eingekauft hätte. Also hab ich mir meinen eigenen Wunsch- Webshop programmiert – und das war dann die Geburtsstunde von Gunrack.de.
Und was mich an Waffen fasziniert? Die perfekte Kombination unterschiedlicher Materialien (Stahl, Holz, Kunststoff), die im Zusammenspiel unglaubliche Präzision ermöglicht und vom Benutzer – dem Schützen – dafür extreme Konzentration einfordert.

 

macmagazin.de: Wer sind Ihre Kunden?
Schrott: Mac- oder Waffentechnisch gesehen? Bei meiner IT-Firma fast ausschließlich Mac-Benutzer, meistens aus dem produzierenden oder gestaltenden Bereich. Und bei Gunrack? Sportschützen, Jäger, Personenschützer, Polizisten, Soldaten – da gibt´s irgendwie keinen echten gemeinsamen Nenner – ausser den Waffen natürlich.

 

macmagazin.de: Sie haben ein iPhone, als meistgenutzte App nennen Sie Stanza. Sind Sie ein Büchernarr, der inzwischen auf „echte“ Bücher verzichten kann?
Schrott: Büchernarr? Definitiv! Und wenn ich die Wahl zwischen einem „echten“ Buch und einem E-Book für mein iPhone habe, dann wähle ich das E-Book! Man hat´s immer dabei, es wiegt nix extra und es nützt sich nicht ab. Und ich hab mich an´s Lesen auf dem iPhone gewöhnt (hatte anfangs aber auch meine Bedenken) und möchte dieses Feature definitiv nicht mehr missen. Nur das Lesen in der Badewanne ist mir auf dem iPhone noch zu gefährlich – für´s iPhone.

 

macmagazin.de: Bitte nennen Sie uns ihre letzten drei auf dem iPhone tatsächlich ganz gelesenen Bücher.
Schrott: Praktischerweise zeigt Stanza das auch an: „Snow Crash“ von Neal Stephenson, den „Altered Carbon“-Zyklus von Richard K. Morgan („Altered Carbon“, „Broken Angels“ und „Woken Furies“) und „At the Mountains of Madness“ von H.P. Lovecraft. Insgesamt habe ich auf meinem iPhone aktuell 134 Bücher drauf (Tendenz stark steigend). Wollte ich das „in echt“ mit mir rumschleppen, bräuchte ich mehrere Umzugskartons und könnte meinen Bandscheiben „gute Nacht“ sagen…

 

macmagazin.de: Was sagen Sie generell zum iPhone und zum App Store?
Schrott: iPhone und AppStore sind untrennbar miteinander verknüpft – und sind (aus der Anwendersicht, für die Entwickler schaut´s ein bisserl anders aus) die genialste Kombo seit Nitro & Glyzerin! Ohne das Feature, sich aus tausenden von Apps die persönlichen Sahnestückchen rauszusuchen und für kleines Geld direkt laden zu können, wäre das iPhone nur ein weiteres Handy unter tausenden anderen. Aber so hat Apple eine schlichtweg geniale Kombination geschaffen, die in der Zusammenarbeit mehr ist als die Summe der Einzelteile. Beschreiben kann man das schlecht, das muss man einfach erleben. Aber wer´s einmal realisiert hat, was diese Kombination leisten kann, der kommt davon nicht mehr los.

 

macmagazin.de: Sind Sie mit Teut Weidemannin der gleichen WoW-Gilde?
Schrott: War ich tatsächlich mal eine Weile lang – ich habe sogar extra den Server gewechselt, um mit ihm zusammen zu spielen. Er hat mich sozusagen unter seine virtuellen Fittiche genommen und mich in WoW eingeführt. Aber bald habe ich festgestellt, dass diese Gilde nicht die Schwerpunkte auf das legt, was mir wichtig ist. Und nach ein paar gescheiterten Versuchen, dies in anderen Gilden zu finden, habe ich einfach meine eigene (die „Ehrenlegion“ auf dem Server „Proudmoore“, wenn jemand mal vorbeischauen und Hallo sagen will) gegründet und dort dann die Voraussetzungen geschaffen, so zu spielen, wie ich es für mich als „richtig“ empfinde. Und da hat sich im Lauf der Zeit eine tolle Gemeinschaft entwickelt, auf die ich extrem stolz bin.

 

macmagazin.de: Welches Computerspiel auf dem iPhone kann Sie begeistern?
Schrott: Ausprobiert habe ich schon ein ganze Menge. Es gibt ja wirklich tolle Games im AppStore. Aber wirklich auf Dauer fesseln konnten mich nur „Solebon“, ein Kartenspiel, und „Ragdoll Blast“, das mich durch die Simulation der Physik begeistert. Aber wenn Blizzard mal einen iPhone-Client für WoW rausbringt, muss ich mein iPhone sprengen, sonst käme ich wahrscheinlich nicht mehr zum Arbeiten.

 

macmagazin.de: Was macht Sie glücklich?
Schrott: Privat einfach nur die gemeinsame Zeit mit meiner Frau. Mehr brauche ich da nicht. Beruflich, wenn ich mein Wissen/Können einsetzen kann und merke, dass es gut ankommt und positives Feedback zurückkommt – das ist das beste Gefühl, dass man sich vorstellen kann.

 

macmagazin.de: Wer soll der nächste Gesprächspartner der Reihe „Leute am Mac“ sein? Warum?
Schrott: Mein Vorschlag wäre Renate Blaes, eine Autorin und Gestalterin. Weil die an ihrem Mac einfach extrem viele unterschiedliche Sachen anfängt, vom Gestalten über Bücher schreiben bis hin zu „Extrem-Blogging“ und Fotografieren – und der Mac zieht sich bei ihr wie ein roter Faden durch alle Aktivitäten durch. Sie ist das perfekte Beispiel, wie die „Ease of Use“ des Macs den Benutzern völlig neue Dimensionen der kreativen Freiheit erschliessen kann.

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