E-BOOKS FÜR IPHONE UND APPLES TABLET
14.12.2009
Man darf es als kleine Revolution begreifen: Das Berliner Unternehmen TXTR hat nun nicht nur seinen E-Ink-Reader veröffentlicht, sondern auch seine App für das iPhone aufgebohrt: Damit soll es erstmals möglich sein, Bücher mit Adobe-Kopierschutz auf dem iPhone zu lesen und damit zum Beispiel auf das Angebot von Libreka zurückzugreifen. Adobes DRM schützt Bücher zuverlässig vor seinen Lesern, der Hersteller soll sich nun aber erweichen und zum Beispiel Verleih und Tausch ermöglichen – wenn die Verlage denn wollen. Außerdem im Angebot: die Kindle-iPhone App, ein preiswerter Bücherscanner im Eigenbau und das jüngste “Apple Tablet”-Video.
Das Update von TXTR ist im App Store verfügbar, der kostenlose E-Book-Reader für iPhone und iPod touch stürmte auch gleich in den Charts nach oben. macmagazin.de stürmt hinterher und hat das Programm nicht nur installiert, sondern auch einen Account auf Txtr.com angelegt und über die Webseite erste E-Books hochgeladen.
Das Test-Lesefutter: diverse Bücher von Libreka, die ein rigides Adobe Rechtemanagement schützt. Die Ernüchterung folgt zunächst auf dem Fuße, anderen Rezensenten im App Store ergeht es ähnlich: Die TXTR-App weigert sich, die geschützten Bücher zu öffnen.
Die Erklärung liefert das Blog, nicht die App-Beschreibung des Berliner Anbieters. Lediglich DRM-geschützte Bücher aus dem eigenen Angebot lassen sich einwandfrei öffnen – aber es gibt einen Trick, um doch zum Ziel zu kommen.
Dafür muss man aber doch erst ein Buch aus dem TXTR-Store erwerben, die Preise beginnen bei 1,25 Euro – kostenlose und/oder öffentliche Bücher „gelten“ nicht, da sie nicht DRM-geschützt sind.
Sobald dieser Schritt abgeschlossen ist und man das Buch auf das iPhone lädt, fragt die APP die Adobe-ID (üblicherweise die Mail-Adresse) ab, sofern man eine hat. Damit ist man bereits am Ziel, sofern die Endung des Buch-Datei EPUB lautet.
Wenn es eine acsm-Datei ist, muss man erst das Buch in Adobes Digital Edition öffnen und im Ordner ~/Dokumente/Digital Editions/ die EPUB-Datei finden. Die lädt man auf TXTR.com hoch, dann sollte man sie auch auf dem iPhone laden und lesen können.
Im Test hat das zum Beispiel mit den Libreka-Downloads funktioniert, Herta Müllers “Atemschaukel” lässt sich nun problemlos auf dem iPhone lesen.
Freie EPUB-Bücher stellt TXTR hingegen ohne Verrenkungen dar, auch PDFs zeigt die App ohne zu Murren an – lediglich beim Anlegen des Vorschaubildes gibt es Probleme. Neben der vertikalen und horizontalen Ausrichtung kann man hier mit der bekannten Zoom-Geste vergrößern, ein Doppeltipp bringt die Seite auf Bildschirmformat.
Zu gering sind hingegen die Optionen beim EPUB-Format: Lediglich vier Schriftgrößen sowie Querformat stehen zur Wahl, ansonsten kann man vor- und zurückblättern. Auf Lesezeichen muss man verzichten, wenigstens speichert die App beim Beenden die letzte Leseposition. Etwas störend ist auch, dass die App nicht den ganzen Bildschirm nutzt, dazu kommt das leidige Satzproblem: Das Layout zeigt prinzipbedingt große bis riesige Wortabstände.
Auch wenn die TXTR-App noch einiges an Wünschen offen lässt, die Grundlagen stimmen. Die Berliner mischen zudem das Bücherangebot auf dem iPhone neu: So findet man Kirchhoffs Buch “Erinnerungen an meinen Porsche” bei TXTR, Libreka und einem Anbieter für das iPhone. Mit letzterem erwirbt man zwar ebenfalls das EPUB-Buch, allerdings in einer App – es lässt sich nur auf dem iPhone lesen. Die digitalen Editionen der anderen Anbieter funktionieren dagegen zusätzlich auf dem Rechner und diversen E-Book-Readern, die Adobes DRM unterstützen – auf TXTR-Reader beispielsweise, der allerdings vor Weihnachten nur wenige Kunden erreichen soll.
Dank Buchpreis-Bindungsvorgaben des Deutschen Börsenvereins sind die unterschiedlichen Ausgaben der Bücher auch alle zum gleichen Preis zu haben, in diesem Fall für 17,99 Euro – das gebundene Buch ist mit 17,95 Euro sogar etwas billiger als die eingeschränkten elektronischen Varianten.
Hier liegt auch der eine Haken, digitale Ausgaben aktueller Bücher sind zu teuer. Der andere ist das DRM, das den Kunden an allen Ecken und Enden gängelt. Adobe will nun selbst Hand anlegen und ein eingeschränktes Digitales Rechtemanagement anbieten, das dem Kunden mehr Freiheit lässt. Die Bücher könnten Leser dann mit einem verschlüsselten Passwort schützen und das Lesefutter wie in der nichtdigitalen Welt auch verleihen. Laut Computerworld stehen die Verlage dieser Idee allerdings kritisch gegenüber, denn Passwörter lassen sich leicht kopieren und weitergeben: Der Weg in die Tauschbörsen wäre offen.
Auf Adobes DRM ist Amazon nicht angewiesen, der Online-Verkäufer hat ein eigenes Format mit Kopierschutz ausgestattet und stellt noch eine (letzte?) Bastion gegen das EPUB-Format dar. Wer auf dem iPhone Kindle-Bücher lesen will, braucht deshalb die passende App dazu. Die gab es bisher nur in Amerika, nun zeigt sich die kostenlose Reader-Software mit einiger Verspätung auch international in den App Stores. Geändert hat sich ansonsten nichts, Kindle spricht nach wie vor hauptsächlich Leser an, die Bücher in englischer Sprache bevorzugen.
Offensichtlich sind die großen Buchverlage dabei, den „harten Weg“ zu gehen: Anstatt die Vorteile des E-Books an den interessierten Kunden weiterzugeben, halten sie die Preise künstlich hoch, verzögern Veröffentlichungen und verteidigen das digitalisierte Wort erfolgreich gegen den Kunden. Mit zunehmender Verbreitung der geeigneten Lesegräte suchen mancher gegängelte Kunden nach Alternativen und bedienen sich sowohl aus legalen offenen Quellen, wie dem Projekt Gutenberg, besorgt sich das gewünschte Buch auf andere Weise oder digitalisiert es einfach selbst:
DIY Book Scanner Introduction and Motivation from Daniel Reetz on Vimeo.
Vor diesem Hintergrund lässt sich auch besser verstehen, warum dem Apple Tablet auch außerhalb der Zeitungs- und Magazinwelt so viel Aufmerksamkeit zukommt. Apple hat mit iTunes vorgemacht, wie man digitale Inhalte fair vertreiben und verkaufen kann, aber auch, was die Abhängigkeit von einem Unternehmen bedeuten kann: Jede Konkurrenz zu Amazon ist willkommen.
So sorgt ein Video vom Wochenende erneut für Aufregung, es zeigt, wie ein IKEA-Katalog im Apple-Look auf einem beliebigen Tablet aussehen könnte – nicht mehr und nicht weniger.
2 Kommentare
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von MacMagazin.de und _txtr, Manuel Medicus erwähnt. Manuel Medicus sagte: Ein Blick auf die txtr iPhone app RT @MacMagazin: Buchrevolution auf Berührungsfläche: TXTR und neue Tablet-"Studie" http://bit.ly/6YN51x [...]
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