LEUTE AM MAC
04.12.2009
Frank Blome ist der Kopf von ProjectWizards und brachte mit Merlin professionelle Projektplanung auf den Mac. Im Interview erzählt er von der Mac-Abteilung eines großen Software-Konzerns, von Produktivitäts-Steigerungen bei matten Displays und warum Twitter seinem Unternehmen gut tut. Außerdem verrät Blome auch, wie man eine Kreuzfahrt gewinnen kann.
macmagazin.de: Erzählen Sie uns vom Startton Ihres ersten Macs.
Frank Blome: Das muss im Jahr 1987 gewesen sein, bei einem kleinen Apple-Händler in Münster. Ich begann mich zaghaft für die Apple Computer zu interessieren, weil ich in der Atari ST-Szene immer wieder von Vergleichen des Atari Betriebssystems „GEM“ mit dem Mac OS hörte. Der kleine „Würfel“ hat es mit bei der ersten Beengung aber nicht sonderlich angetan. Mein Gedanke war „so ein kleiner Monitor und trotzdem kostet er über 10.000 DM?“ Damit war das Thema Apple für die folgenden drei bis vier Jahre für mich durch. Im Februar 1991, kurz vor dem großen Update auf das System 7, ertönte dann aber doch der erste Startton meines eigenen Mac. Ein Bekannter hatte mich nach und nach umerzogen, und machte mir ein Angebot, das ich nicht ablehnen „wollte“. Den Mac SE/30 habe ich heute noch.
macmagazin.de: Was geht in Ihnen beim Kauf eines neuen Macs vor? Ist das ein Erlebnis oder nur der Erwerb eines Konsumgutes?
Blome: Bis vor einiger Zeit war das Öffnen des Mac-Kartons eine echte Zelebration mit großer Vorfreude. Durch die ProjectWizards komme ich jetzt aber öfter in den Genuss, Rechner für Mitarbeiter vom Lieferdienst zu erhalten und lasse es mir dann nicht nehmen, den Karton zu öffnen. Dadurch kommt schon eine gewisse Routine auf. Aber wenn dann ein Gerät endlich mal wieder für mich selbst bestimmt ist, kribbelt es doch schon wieder in den Fingern.
macmagazin.de: Verraten Sie uns Ihre drei Top- und eine Flop-Applikation.
Blome: Der Shooting-Star der letzten paar Jahre ist für mich persönlich Things von Cultured Code. Eine kleine, einfache und sehr nützliche Applikation. Dann bin ich durch meine Arbeit quasi mit Keynote „verheiratet“. Eine Top- und Flop-Applikation ist für mich Mail.app von Apple. Da bin ich einerseits von der Geschwindigkeit und Benutzerfreundlichkeit begeistert, aber auch durch viele Fehler und die Tendenzen dieses Programms beunruhigt, als Allzweckwaffe zu verschandeln. Zu den Flops muss ich leider auch, und hier schließe ich mich Kai Brüning voll an, iTunes zählen. Das ist ein Programm, das Apple leider immer mehr verschlechtert.
macmagazin.de: Welches Feature sollten Ihr nächster Mac, Ihr nächster iPod oder Ihr nächstes iPhone unbedingt haben?
Blome: Ich würde gerne wieder aktuelle Monitore von Apple sehen, die nicht als Spiegel gestaltet sind. Ich habe kürzlich meinen iMac und mein MacBook Air gegen ein 15″-MacBook Pro mit mattem Display getauscht und war von einem Moment zum nächsten um ein Vielfaches produktiver.
macmagazin.de: Welches aktuelle Tagesereignis hat Sie in letzter Zeit besonders bewegt?
Blome: Das war unter anderem die Insolvenz der Traditionsfirma Karmann aus Osnabrück und wie sie von einigen großen deutschen Automarken mit hervorgerufen wurde.
macmagazin.de: Wer sind ihre Kunden, wen wollen Sie mit der Software „Merlin“ verzaubern?
Blome: Interessanterweise haben wir Kunden aus allen Branchen. Solange unsere Systemanforderung, ein Mac mit halbwegs aktuellem Betriebssystem, erfüllt ist, kann jeder in den Genuss kommen, mit Merlin zu arbeiten. Ich darf an dieser Stelle leider keine Aufzählung machen, aber ich sage gerne mal mit einem Augenzwinkern, dass ich von einigen unserer Kunden nicht einmal wusste, dass sie “Macintosh”x überhaupt aussprechen können.
macmagazin.de: Sie haben Ihr Unternehmen ProjectWizards 2002 gegründet, heute sind Sie Marktführer im Bereich Projektmanagement am Mac. Wie macht man das? Und hatten Sie nicht die Befürchtung, dass eventuell ein amerikanischer Softwaregigant seine Lösung für den Mac umsetzt?
Blome: Ich glaube wir hatten einfach das Glück, zur richtigen Zeit mit dem richtigen Produkt da zu sein. Als Merlin 2004 als Projektmanagement-Software antrat, gab es nur wenige Wettbewerber. In dieser Zeit haben wir mit Merlin dem Markt unseren Stempel aufdrücken können. Mittlerweile sind einige interessante Produkte mit auf diesem Markt, aber heute haben wir die Latte hinsichtlich Qualität und Bedienungsfreundlichkeit schon sehr hoch gehängt.
Das witzigste ist dann noch dieser amerikanische Softwaregigant. Auch wenn die das bekannteste PM-Produkt für Windows besitzen, die Mac-Abteilung dieser Firma entwickelt ihre Software mit Merlin. Das verschafft mir immer mal wieder die Gelegenheit, mit den Kollegen in den USA zu reden. Und die Ergebnisse beruhigen mich schon sehr.
macmagazin.de: Zum fünfjährigen Geburtstag von Merlin verlosen Sie neben einem iPhone 3GS, iPod touch und Magic Mäusen eine Kreuzfahrt. Was muss ich tun, um die zu gewinnen?
Blome: Einfach Merlin kaufen! Jeder, der zwischen dem 9. November und dem 31. Dezember diesen Jahres Merlin oder ein anderes Produkt von uns kauft, nimmt automatisch am Gewinnspiel teil. Wer jetzt aber kurz vorher gekauft hat, kann mit einer Postkarte an uns natürlich auch teilnehmen. Also, jetzt Merlin kaufen …
macmagazin.de: Gibt es Dinge, die Sie am Mac stören?
Blome: Wenn man mal von den spiegelnden Displays absieht, bin ich eigentlich sehr zufrieden. Meine zweite Kritik, die die schlechten Mäuse betraf, hat Apple ja mit der fantastischen Magic Mouse total entkräftet.
macmagazin.de: Merlin hat es auch auf das iPhone geschafft, die Stimmen zur App sind äußerst positiv. Wie ist Ihre Stimme zum iPhone und zum App Store?
Blome: Hier stehe ich zwischen den Stühlen. Als Anwender bin ich einigermaßen begeistert. Ein tolles Gerät mit einer gut durchdachten und sehr bedienungsfreundlichen Oberfläche. Aber als Entwickler sieht das etwas anders aus. Hier muss sich Apple noch deutliche Kritik gefallen lassen. Da sind zum Beispiel schlecht übernommene oder ganz fehlende Funktionen aus dem Mac OS X Betriebssystem. Aber auch das grundsätzliche Konzept der Prüfung und den dahinter stehenden Prozess um in den AppStore zu kommen – hier sind nach meiner Meinung massive Fehler im Design und der Umsetzung gemacht worden. Aber mein größter Vorwurf betrifft die weitestgehend fehlende Kommunikation zwischen den Prüfern und dem Entwicklern. Hier muss dringend optimiert werden.
macmagazin.de: Auf der ProjectWizards-Webseite füttert Richard Joerges das Blog, zudem findet man über das blaue Vögelchen auch zu Twitter. Wie sind Ihre Erfahrungen mit Web 2.0 und sind Twitter, Blog & Co. heute tatsächlich unverzichtbar?
Blome: Wir arbeiten seit einiger Zeit sehr zufrieden mit Richard zusammen. Er hat uns damals empfohlen, mehr auf die neuen Kommunikationsinstrumente zu setzen. Rückblickend war das eine sehr gute Empfehlung. Wir haben nun einen noch direkteren Kontakt zu unseren Anwendern und können via Twitter auch schon mal eine Information zwischen den Stühlen loslassen. Überraschenderweise bringt uns Twitter sogar neue Kunden. Das hatte ich nicht erwartet. Ich habe aber auch lernen müssen, dass nicht alles, was Web 2.0 heißt, automatisch für uns funktioniert.
macmagazin.de: Was ist Ihr größter Wunsch?
Blome: Das Weihnachten abgeschafft wird, dann habe ich etwas mehr Zeit zum Arbeiten … kleiner Scherz. Aber in der Tat wünsche ich mir sehr, meine wenige Zeit mindestens zu verdoppeln.
macmagazin.de: Wer soll der nächste Gesprächspartner der Reihe „Leute am Mac“ sein? Warum?
Blome: Da könnte ein Gespräch mit Tom Alby sehr interessant werden. Ursprünglich war er ein “Macianer” wie er im Buche steht. Nun steht er dem Thema aber durch viele Erfahrungen etwas kritisch gegenüber.
1 Kommentar
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von MacMagazin.de, Frank Blome erwähnt. Frank Blome sagte: Wer ist eigentlich Frank Blome? Ein Interview im Macmagazin.de: http://is.gd/5czaY [...]