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LEUTE AM MAC

27.11.2009


Wer ist eigentlich Daniel Haver?

von Marcel Magis

Der “Materialisierer von Visionen” Guido Matzer hat sich als nächsten Gesprächspartner Daniel Haver gewünscht. Haver kam 1997 zu Native Instruments, dem Marktführer für elektronische Instrumente mit Sitz in Berlin und Los Angeles. So erklärt er auch, warum sich Hollywood und Kreuzberg ergänzen und auf welchem Konzert in Berlin er zu finden sein wird – wenn alles gut geht.

Bestimmt verrät er auch uns und den Lesern einen nächsten Gesprächspartner.

NI_Daniel_Haver

macmagazin.de: Erzählen Sie uns vom Startton Ihres ersten Macs.

Daniel Haver: Den ersten von abertausenden Starttönen habe ich wohl 1991 in einem DTP-Studio in Hamburg gehört. Da bin ich als Freelancer zum ersten Mal so richtig mit Apple-Computern konfrontiert worden und habe meine ersten Schritte auf Mac OS 6 gemacht. Ein paar Monate später habe ich dann meinen Windows-Laptop verkauft und seitdem nie mehr mit einem anderen Rechner als mit einem Mac gearbeitet.

 

macmagazin.de: Was geht in Ihnen beim Kauf eines neuen Macs vor? Ist das ein Erlebnis oder nur der Erwerb eines Konsumgutes?

Daniel Haver: Der Mac hat viele Jahre die Rahmenbedingungen in meinem Berufsleben vorgegeben, während ich in Hamburg mein eigenes Grafikstudio geführt habe. Damals habe ich Fachmagazine verschlungen, um alle Entwicklungen und Trends zu verfolgen. Auch heute erfreue ich mich am Design und der Funktionalität neuer Modelle, aber wenn Office-Applikationen und Email-Client den eigenen Alltag bestimmen, verlieren neue technische Leistungsmerkmale etwas an Bedeutung. Eine Ausnahme ist das iPhone, mit dem Apple eine Usability-Revolution geschafft hat, die mich immer noch absolut begeistert und deren Bedeutung man meiner Meinung nach gar nicht hoch genug einschätzen kann.

 

macmagazin.de:  Verraten Sie uns Ihre drei Top- und eine Flop-Applikation. 

Daniel Haver: In den 90ern haben mich PageMaker, Freehand und Photoshop begeistert. 

Inzwischen ist der Mac für mich zu sehr Alltagswerkzeug und zu wenig „Kreativ-Spielplatz“, um mich derart für bestimmte Applikationen zu begeistern. Viel wichtiger ist für mich, dass möglichst viele musikbegeisterte Mac-User eines unserer Produkte in ihre persönlichen Top 3 aufnehmen.

 

macmagazin.de: Welches Feature sollten Ihr nächster Mac, Ihr nächstes iPod oder Ihr nächstes iPhone unbedingt haben?

Daniel Haver: Für mein nächstes iPhone wünsche ich mir vor allem noch mehr CPU-Power, um in möglichst vielen Anwendungsbereichen möglichst nah an einen echten Mac zu kommen. Den Rest erledigt die riesige Szene der App-Entwickler.

 

macmagazin.de:  Welches aktuelle Tagesereignis hat Sie in letzter Zeit besonders bewegt?

Daniel Haver:  Kein Tagesereignis in dem Sinne, aber ein Thema mit immer noch großer Aktualität: Die globale Finanzkrise und wie sich vor diesem Hintergrund so manche Banker, deren Jobs zuvor von Staat und Steuerzahlern gerettet wurden, schon wieder unverschämte Boni einstreichen. Das all das überhaupt passieren konnte, zeigt tiefgreifende gesellschaftliche Missstände, die wir hoffentlich irgendwann abstellen können.

 

macmagazin.de: Der Frank Zappa-Fan Stephan Schmitt hat Native Instruments gegründet, Sie stießen nach der Veröffentlichung der ersten Musiksoftware Generator (heute Reaktor) hinzu. In Berlin weitete sich die Techno-Szene aus und Sie stellten als Liebhaber der elektronischen Musik das Bindeglied dar. Was haben Sie damals genau gemacht und wie ist die Verbindung zwischen der Szene und Native Instruments heute?

Daniel Haver: Als ich 1997 als Geschäftsführer und Gesellschafter zu Native Instruments kam, gab es schon erste Kontakte zur Elektronikszene. Nicht primär, weil das so sehr den Musikgeschmack unseres Teams reflektiert hätte, sondern weil “Generator” bei Techno-Produzenten und ähnlich experimentierfreudigen Anwendern einfach im wahrsten Sinne des Wortes auf offene Ohren gestossen ist. Ich habe dann durch die Organisation von Live-Events und das Kontakte knüpfen mit vielen Künstlern unsere Verbindungen in diesem Bereich weiter ausgebaut. Aber ein paar Jahre später haben wir mit der “B4”, unserer Nachbildung der Hammond-Orgel, die Fühler auch in ganz andere Musikgenres ausgestreckt. Heute arbeiten natürlich von Komponisten wie Hans Zimmer und Harry Gregson-Williams bis zu Gitarrenbands wie Placebo und Metallica Musiker aus praktisch allen Genres mit computer-basierten Instrumenten und Effekten.

 

macmagazin.de: Noch ein Wort zu Berlin und Los Angeles …

Daniel Haver: Berlin und LA sind einerseits auf viele Weise die perfekte Ergänzung zueinander – vor allem was die jeweiligen Musikszenen angeht, aber auch in Bezug auf die ausserordentlichen Mitarbeiter, die sich an beiden Orten finden lassen. Für uns ist es elementar, in diesen beiden Weltmetropolen direkt verwurzelt zu sein. Auch persönlich genieße ich die Kontraste zwischen Hollywood und Kreuzberg, die immer wieder ein sehr inspirierendes Umfeld für neue Ideen und Perspektiven bilden.

 

macmagazin.de: Sie sagen, mit dem B4 kam der Durchbruch und Stevie Wonder war von dem Produkt begeistert – erzählen Sie doch etwas mehr von dieser Begegnung.

Daniel Haver: Das ist schnell erzaehlt –  2001 kam Stevie Wonder an unseren Stand auf der NAMM-Show in Kalifornien, der grössten Messe in unserer Branche. Er hatte von der B4 gehört und wollte sie selbst anspielen. Er sagte dann gleich nach einigen Tastenanschlägen: “It really sounds like the real thing!” Für uns war das natürlich eine fantastische Bestätigung, dass wir hier etwas “Echtes” geschaffen hatten.

 

macmagazin.de: Native Instruments ist Marktführer im Bereich computerbasierte Musikproduktion. Wie erhalten Sie sich Wendigkeit und Schnelligkeit, Marktführer stehen im Ruf, etwas träge zu werden?

Daniel Haver: Unser Markt ist enorm dynamisch, und das hat es uns ermöglicht, innerhalb weniger Jahre vom Underdog zum Marktführer zu werden. Um an der Position zu bleiben, darf man natürlich nie wirklich zufrieden zu sein und muss immer wieder vieles hinterfragen und die eigene Vision im Blick behalten. Neben den technischen Innovationen gilt das auch für die interne Effizienz im Unternehmen und dafür, guten Ideen den Weg zu ebnen. Vor allem ist es ein zentraler Erfolgsfaktor, die richtigen Menschen ins Team zu holen und an der richtigen Stelle wirken zu lassen.

 

macmagazin.de: Ist die Entwicklung von Software-Instrumenten abgeschlossen und lediglich evolutionär, oder erwartet uns vielleicht doch noch eine Revolution?

Daniel Haver: Die großen technischen „Revolutionen“ in unserem Bereich haben sich in den letzten zehn Jahren vollzogen, inzwischen geht es vor allem um die Verfeinerung und um das große Thema Usability – also darum, die unglaubliche Flexibilität dieser Werkzeuge noch besser handhabbar zu machen. Aber natürlich ist auch weiterhin viel Raum für echte Innovationen in der Musikproduktion. Tatsächlich haben wir in diesem Jahr eine eigene Abteilung für Grundlagenforschung eingerichtet, damit im Alltagsgeschäft die technischen Visionen nicht auf der Strecke bleiben.

 

macmagazin.de: Wie wichtig ist Ihnen Musik, besuchen Sie gerne Clubs?

Daniel Haver: Musik ist für mich nach wie vor sehr wichtig, in Berliner Clubs findet man mich inzwischen aber eigentlich nur noch auf ganz bestimmten musikalischen Events. Diese Woche stehen bei mir Moderat auf dem Programm – ich hoffe, dass ich das einrichten kann.

 

macmagazin.de: Wer soll der nächste Gesprächspartner der Reihe „Leute am Mac“ sein und warum?

Daniel Haver: Andreas Lehmann, ein alter Freund aus Hamburg, den ich lange vor meiner NI-Zeit zu Beginn der 90er in seiner Rolle als Art Director von Springer & Jacoby kennenlernte. Inzwischen führt Andreas als einer der Partner seine eigene Agentur “ad.quarter”, deren ausgefallenen Stil und Ideen ich sehr schätze. Er ist auch ein eingefleischter Mac-Veteran und hat daher sicherlich auf alle Ihre Fragen eine interessante Antwort.

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