ZWERGE AUF ZEITREISE
23.11.2009
Vorsicht: Time Bandits beginnt überdreht, albern und man reibt sich die Augen: Was ist das denn? Arte zeigt das vergleichsweise unbekannte Frühwerk von Terry Gilliam heute Abend in der Reihe “Zeitreisen”. “Monty Python”-Veteran Gilliam dürfte den meisten Zuschauern durch die Kinoproduktionen “Der König der Fischer”, “12 Monkeys”, “Brothers Grimm” und “Brazil” bekannt sein.
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Zwischen den legendären Monty Python Sketches kann man die Arbeit von Terry Gilliam bewundern, der die kleinen, skurrilen Zeichentrickszenen gestaltet hat. Diese sind auch das Bindeglied zu dem Film “Time Bandits”, die etliche Python-Mitglieder versammelt. Ein Wiedersehen also mit John Clesse und Michael Palin, letzterer schrieb auch am Drehbuch mit. In der prominenten Besetzungsliste findet sich auch “Sag niemals nie”-Sean Connery als König Agamemnon, Cleese gibt Robin Hood und Ian Holm Napoleon.
Die Handlung ist schnell erzählt: Sechs Zwerge haben dem “höchsten Wesen” eine Zeitkarte gestohlen, mit der sie auf Beutezug durch die Epochen reisen. Sie landen polternd im Kinderzimmer von Kevin und nehmen den Jungen einfach mit. Neben Napoleon treffen sie den Fliegenden Holländer, reisen gen Eisberg mit der Titanic und ins Zeitalter der Legenden.
Die britische Produktionsfirma HandMade Films feierte mit “Time Bandits” 1981 nach “Das Leben des Brian” (1979) einen weiteren respektablen Erfolg, Terry Vance Gilliam konnte sich aber erst 1985 mit dem Film “Brazil” von Monty Python freischwimmen und fortan zunehmend – trotz mancher Rückschläge – als Regisseur etablieren. Vor allem die aufwendige Verfilmung “Die Abenteuer des Baron Münchhausen” floppte an den Kinokassen und erschwerte die weitere Umsetzung von ähnlichen Stoffen wie “Brothers Grimm”, der von der Kritik verrissen wurde, an den Kassen aber zumindest in der erste Woche der erfolgreichste Gilliam-Film war.
Terry Gilliam gilt als Perfektionist, der auch auf jedes kleinste Detail achtet und zudem alle Mainstream-Regeln genussvoll missachtet. Das lässt sich schon bei “Time Bandits” bewundern: Der Film sprüht vor Ideen und Seltsamkeiten und ist trotz “Kinderperspektive” nichts für Kinder , sondern kommt, wie “Brothers Grimm”, eher grimmig und düster daher.
Nicht nur die Filme sind “anders”, auch die Dreharbeiten und Projekte erweisen sich manchmal als Abenteuer. Nach zehnjähriger Planung begannen im Jahr 2000 die Dreharbeiten zu “The Man Who Killed Don Quixote”, in den Hauptrollen Johnny Depp und Jean Rochefort. Die Dreharbeiten gerieten zum Fiasko, 2002 erschien die Dokumentation “Lost in La Mancha”, die das Scheitern verfolgte. Die Rechte des unfertigen Films gingen an die deutsche Versicherungsfirma, nach Beilegung der rechtlichen Streitigkeiten unternimmt Gilliam nächstes Jahr einen neuen Anlauf – ohne Depp und Rochefort.
So lässt sich auch erklären, warum Gilliam “Harry Potter” nicht verfilmen durfte. Die Autorin Joanne K. Rowling hatte sich für den Regisseur stark gemacht, sie und Gilliam scheiterten jedoch am Veto von Warner Bros. Ähnliches widerfuhr Gilliam mit der Neuverfilmung von Roald Dahls “Charlie und die Schokoladenfabrik” und Philip Pullmans “Der goldene Kompass”: Trotz Fürsprache lehnten die Produzenten Gilliam ab.
Man kann also dankbar sein, wenn Terry Gilliam einen Film realisieren darf. Heute Abend ab 21 Uhr gibt es mit “Time Bandits” eine wunderbare Gelegenheit, in das Schaffen eines der ungewöhnlichsten lebenden Filmemachers einzusteigen. Wie bei “Fear and Loathing in Las Vegas” kann man auf die Einnahme von Drogen verzichten, den Tripp besorgt der Film. Übrigens arbeitete Gilliam an dem Drehbuch zu “Time Bandits 2″, ABC plante einige Jahre später eine Fernsehserie zum Film. Die Projekte verschollen im Raum-Zeit-Gefüge.