LEUTE AM MAC
20.11.2009
Im Interview der Woche stellt sich heute der Kopf von The Binary Famliy Thorsten Rauser neugierigern Fragen: Wie kam es zum Animago-Award-Winner iKitty, dem süßen Kätzchen für iPhone und iPod touch? Wie entwickelt sich der Markt im App Store aus Entwicklersicht? Am Ende verrät Rauser auch bestimmt den nächsten Gesprächspartner …
macmagazin.de: Erzählen Sie uns vom Startton Ihres ersten Macs
Thorsten Rauser: Verdammt lang her – und ja, stimmt der klang (vor Tiger?) anders. Das war 1992 und ein LC3 – wir bauten gerade neben dem Schulbesuch unsere erste Firma auf, die Werbespiele produzierte. Ich hatte mir gerade an C64 und Amiga die Augen verdorben, als mein erster Kollege den Mac (mit Ragtime!) bei uns einführte. Damals schon geile, gut designte Geräte/Software – was in den Jahren danach (ohne Onkel Steve) dann nicht immer der Fall war.
macmagazin.de: Was geht in Ihnen beim Kauf eines neuen Macs vor? Ist das ein Erlebnis oder nur der Erwerb eines Konsumgutes?
Rauser: Natürlich ist es ein Erlebnis, auf das ich mich oft schon lange vorher freue. Komischerweise vergisst man aber meist nach wenigen Stunden, dass man eigentlich ein neues Macbook vor sich hat. Funktioniert etwa gleich, sieht so ähnlich aus und erscheint für ne Weile etwas schneller.
macmagazin.de: Verraten Sie uns Ihre drei Top- und eine Flop-Applikation.
Rauser:
Top:
• Qype Radar: Das Prinzip haben die zwar aus den USA geklaut, aber die App ist im Praxisalltag einfach Gold wert. Fremde Stadt und Hunger oder Langeweile werden erfolgreich bekämpft.
• Navigon MobileNavigator: Habe neulich eine Vorstellung des Programms erlebt und warte eigentlich nur noch auf die Vespa-Halterung, bevor ich auf KAUFEN drücke.
• Kreuzworträtsel Pro: Zugegeben, das habe ich mitproduziert – nutze diese App aber davon unabhängig sehr häufig zur Entspannung unterwegs.
Flop:
• TV Movie: Umständlich, schlecht zu bedienen und (unnötige) Ladezeiten. Ich sehne mich nach einem Wettbewerbsprodukt!
• T-Mobile: Der scheidende Monopolanbieter hat viel dafür getan, die iPhone Community immer wieder vor den Kopf zu stoßen. Zu viele Blockaden und Verbote (Tetering, Skype, Sticks mit Multisim) sowie das Verhalten gegenüber „MobileButler“ und der treffend benannten App „Gebührenfalle“, ich freue mich schon auf den kommenden Wettbewerb!
• La Cucaracha: Eigene Produktion – finanzielles Fiasko. Wir hatten echt Arbeit in dieses kleine Projekt gesteckt, einen teuren Designer in Mexiko City engagiert und sogar eine der bekanntesten Mariachi-Bands ins Studio gezerrt, um etwas Besonderes für Fans von Mexico und rauchbaren Kräutern zu schaffen. In fast allen Ländern anständige Bewertungen – aber keiner hat den Launch mitbekommen! Wir hatten damals keine Ahnung, wie wichtig Marketing ist und per Zufall findet Dich bei inzwischen 100.000 Apps kaum einer.
macmagazin.de: Welches Feature sollten Ihr nächster Mac, Ihr nächstes iPod oder Ihr nächstes iPhone unbedingt haben?
Rauser: UMTS-Funktion mit anständiger, eingebauter Antenne. DVD-Laufwerk brauchts nicht mehr, lieber einen noch größeren Akku. Ach so, und bitte wieder ein mattes Display als Standardkonfiguration – wenn ich einen Spiegel brauche, gehe ich ins Bad.
macmagazin.de: Welches aktuelle Tagesereignis hat Sie in letzter Zeit besonders bewegt?
Rauser: Das waren zwei:
1. Auf dem Animago Award zu sehen, wie schnell sich die Industrie entwickelt, um hochauflösende, ansprechende virtuelle Welten zu schaffen. Ein Mash-Up mit den Nachfolgern von Second Life, gemixt mit der nächsten Generation von Datenanzügen: Noch ein paar Jahre und dann heißt es „Welcome to the Matrix“.
2. Einen Vortrag des Unternehmers Hans Georg Näder im Berliner Otto Bock Science Center letzte Woche und das Beispiel eines jungen Österreichers, dessen amputierte Arme durch intelligentes Auslesen der verbleibenden Nervenenden durch mechanische Roboterarme ersetzt wurden. Der Typ kann damit Autofahren und wieder im Lager arbeiten! Sieht ein bisschen aus wie Terminator, ist aber auch ein positiver Blick in die Zukunft.
macmagazin.de: La Cucaracha war der erste Titel Ihrer Firma The Binary Famliy im App Store, aber erst iKitty konnte Aufsehen erregen und räumte auch einen Animago Award für den besten mobilen Titel ab. Wie kam es zur Idee, im heiß umkämpften Markt auf dem iPhone mitzumischen und was war die Idee hinter iKitty?
Rauser: iKitty entstand mehr oder weniger aus Langeweile. Ich war gerade aus unserem letzten Start-Up First1 ausgestiegen, hatte nichts Besseres zu tun und war fasziniert vom iPhone. Ein Kätzchen, an dem man die neuen Möglichkeiten des iPhones testen kann (Schütteln, Schleudern, ins Micro pusten …) erschien mir da als unterhaltsame Idee.
macmagazin.de: Ihr Verhältnis zu Katzen …
Rauser: Ausgezeichnet. Und ich habe inzwischen ein besseres Gewissen, Eltern auch das gewaltfreie iKitty 4 Kids anbieten zu können. Ich liebe Katzen und die Ursprungsidee entstand, weil ich gerne wieder eines dieser verschlagenen Viecher um mich hätte, aber viel zu selten zu Hause bin.
macmagazin.de: Was sind Ihre nächsten Projekte?
Rauser: Im iPhone-Bereich arbeiten wir gerade an einem spannenden neuen Quiz, das wir noch vor Weihnachten veröffentlichen wollen. Das wird ein Rennen gegen die Zeit, da wir noch sehr viele Verbesserungsideen für unseren Prototypen haben.
Ansonsten machen wir gerade auch im Web sehr viel. Wir haben gerade ein Spiel auf Facebook im Testbetrieb und arbeiten an einem hoch spannenden neuen Portalprojekt für einen wirklich guten Kunden.
macmagazin.de: iPhone und der App Store – wie beurteilen Sie die jetzige Lage und Entwicklung? Worauf sollten Entwickler unbedingt achten?
Rauser: Coden und reinstellen klappt nicht mehr und sorgt bei den meisten Entwicklern (leider) für viel mehr Frust als Lust. Ich habe die letzten Monaten Leute erlebt, die erstmal eine Firma gegründet haben, sich wochenlang darüber stritten und jetzt mit langen Gesichtern dabei zusehen, wie sich die App einmal am Tag verkauft. Marketing, die richtigen Keywords, YouTube Videos, PR und auch eine bessere Kenntnis der Tricks & Kniffe im App Store sind unverzichtbar. Das schafft ein Einzelner kaum noch.
macmagazin.de: Die Glückskatze erfüllt Ihnen einen Wunsch, welchen?
Rauser: Das bleibt geheim. ;)
macmagazin.de: Wer soll der nächste Gesprächspartner der Reihe „Leute am Mac“ sein und warum?
Rauser: Wir haben uns ewig nicht gesehen: Teut Weidemann einer der wichtigsten Namen in der Deutschen PC-Spieleszene (ja, ich sagte PC) nutzt, wenn er nicht spielen muss, seit 1985 Mac’s und hat mich damals auch infiziert.
1 Kommentar
ist das foto authentisch oder aus einer bildschirmschoner-sammlung? :o)