LIBREKA KÜNDIGT IN-APP-PURCHASES AN
16.11.2009
Das Google Buch-Projekt hat weltweit nicht für Aufsehen gesorgt, sondern auch deutliche Kritik von Verlagen – vor allem aus Europa – hervorgerufen. Am Freitag haben Google, amerikanische Verlage und Autorenverbände nun auf diese Kritik reagiert und eine neue “Google Book”-Vereinbarung vorgelegt. Es geht vor allem um verwaiste Bücher, also Bücher, deren Urheberrecht nicht geklärt ist: Google scannt diese bisher ein und stellt sie auf seiner Seite zur Verfügung, praktiziert also eine Art “Opt out”-Verfahren.
Die neue Regelung: Google bietet urheberrechtlich geschützte Bücher nur noch aus Amerika, Großbritannien, Australien und Kanada an. Noch muss allerdings das Gericht unter Vorsitz von Richter Chin über den Vorschlag urteilen, vorher darf am 18. Februar die “Open Book Alliance” ihre Bedenken anmelden: Diese besteht aus Yahoo, Microsoft und Amazon, die ganz eigene wirtschaftliche Interessen verfolgen und ebenfalls fleißig dabei sind, Bücher einzuscannen: 1 Million sollen es bisher sein. Google entrechte Autoren auch mit dem neuen Vorschlag noch, so der Vorwurf der Allianz.
Konkret bedeutet der neue Entwurf für die deutschen Verlage: Es gibt keine pauschale Abrechnungen mehr, Ansprüche gegenüber Google verlieren sie aber nicht. In den USA erhalten Verlage nach dem Partnervertrag 63 Prozent, hierzuland müsste jeder einzeln verhandeln. Dabei könnte dann auch weniger “herumkommen”. Das Vorhaben des Internet-Riesen, eine weltweite Bibliothek zur Verfügung zu stellen, darf man aber nun mit Recht als gescheitert betrachten.
Zumindest in den USA könnten einige Autoren von der neuen Vereinbarung profitieren: Durch Werbung erzielte Einnahmen will Google nun nicht ausschließlich an die vorhandenen gemeldeten Rechteinhabern verteilen, eine Interessenvertretung soll nach verschollenen Autoren fahnden und sie entlohnen. Fünf Jahre hat sie dafür Zeit, nach weiteren fünf Jahren soll das “verwaiste” Geld an literarische Einrichtungen fließen.
Derweil kann man sich andernorts auf eine Buchschwemme einstellen: Bereits jetzt hat die Kategorie Bücher die Spiele im App Store überholt, Libreka will in der nächsten Zeit im App Store kräftig nachrüsten und einen eigenen Shop über In-App-Purchases im Store anbieten.
Die aktuelle kostenlose Version 1.0 bietet bisher lediglich Leseproben und die Möglichkeit, über 100.000 Titel per Volltextsuche zu durchforsten – davon sind aber nicht alle als E-Book erhältlich. Das ePub-Format ermöglicht es, ohne großen Aufwand tausende Titel anzubieten. Im Format liegt aber bislang auch eine der Schwächen des bisherigen Libreka-Angebotes im Web: Anwender müssen sich sowohl auf der Plattform als auch bei Adobe registrieren und wenn das digitale Rechtemanagement zuschlägt, dann fühlen sich Buchkäufer eventuell an die Gängelung der Musikindustrie in der Vergangenheit erinnert: ePub-fähige Reader wie Stanza können so geschützte Bücher zum Beispiel nicht öffnen.
Noch katastrophaler dürfte für viele Neugierige derzeit die Preisgestaltung sein: Der digitale Download ist oft nur wenig günstiger als das Hardcover, die Preise übersteigen also gerne die 10 Euro-Marke. Während bei Musik das Trägermedium eine untergeordnete Rolle spielt, besteht ein Buch aus Papier und Typografie – beides Medien, die man sinnlich erfasst und auf die man hier verzichten muss. Auch hier ist die Musikindustrie ein wenig weiter, mit Apples iTunes LP kehrt zumindest eine individuelle Gestaltung in die digitale Welt ein. Ob der Kunde dies honoriert und bereit ist, dafür mehr Geld auszugeben, muss sich allerdings noch zeigen. Noch behandelt Apple das neue Format als Exoten und die Umsetzung ist auf Anbieterseite mit hohen Kosten verbunden.
Wenn man sich in der Verlagswelt umhört, dann ist zur Zeit wohl nur eines sicher: Das E-Book ist nicht aufzuhalten. Man darf darüber spekulieren, was das für den klassischen Buchmarkt bedeutet. Neben altvertrauten Strukturen, mit denen man sich arrangiert hat, stehen die Verleger nun Apple, Amazon, Google, Sony, Microsoft und anderen Global Player gegenüber. Was das für die Zukunft einer bisher zumindest teilweise geschützten Nischenkultur wie dem “schönen Buch” bedeutet, kann man sich ausmalen. Aber vielleicht mag man das auch gar nicht.
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