SOFTWARE FÜR FOTOGRAFEN MIT ZUKUNFTSAUSBLICK
22.10.2009
Apple Aperture und Adobe Lightroom ringen auf dem Mac um die Gunst der Fotografen – Adobe hat heute die Betaversion der nächsten Generation vorgestellt, die Anwender kostenlos herunterladen und testen können – der Hersteller bittet ausdrücklich um Mithilfe. Einige neue Funktionen laden zum Ausprobieren ein, die wichtigsten Neuerungen aber bleiben unsichtbar. Die Entwickler haben den Code des Fotoprogramms generalüberholt und an 64 Bit angepasst. Sie versprechen mehr Geschwindigkeit, denn der Megapixelwahn fordert Leistungsopfer. macmagazin.de wirft einen Blick auf den offiziellen Zwischenstand der Software.
Es ist wohl Geschmackssache, ob man Aperture oder Lightroom bevorzugt, gute Argumente für ihr Produkt haben sowohl Apple als auch Adobe. Eines muss man dem Herausforderer Adobe aber lassen: Die Entwickler legen vergleichsweise zügig neue Versionen vor. Bis Lightroom 3 als finale Version erscheint, dauert es noch – mit der Beta 3 aber versüßt der Photoshop-Hersteller die Wartezeit. Mit der kostenlosen Betaversion könnte Adobe auch neue Kunden hinzugewinnen oder gar zum Umstieg bewegen. Und auch hier gilt: Konkurrenz belebt das Geschäft.
Der Download der Betaversion ist rund 68 Megabyte groß, Anwender kommen man mit weniger als 100 Megabyte Festplattenplatz aus. Nach der Installation, die ein Administrator-Kennwort verlangt, befindet man sich in der üblichen Programmoberfläche.
Als erstes bittet die Software zum Bilder-Import, der gleichzeitig die ersten Neuerungen bereit hält. Vier Optionen stehen nun zur Auswahl: Voreingestellt ist Add, sie lässt die Bilder auf der Festplatte, wo sie sind. Mit Move verschiebt man sie gesammelt in die Lightroom-Bibliothek, mit Copy fertigt Lightroom eine Kopie der Bilder an und mit Copy as DNG erzeugt die Software DNG-Dateien und kopiert die Bilder in das von Adobe im September 2004 vorgestellte Rohdatenformat.
Sobald man sich für eine Möglichkeit und einen Ort entschieden hat, an dem das Programm suchen soll (mit einem Häkchen lassen sich auch Unterordner durchsuchen), importiert Lightroom die Bilder in die interne Bibliothek und sie stehen zur weiteren Verarbeitung zur Verfügung. Den iPhoto-Ordner erkennt Lightroom allerdings nicht.
Um Bilder zu bearbeiten, wechselt man oben rechts auf den Menüpunkt Develop. Hier findet man unter Effects die Werkzeuge Grain und Post-Copy Vignetting. Grain ist neu und fügt dem Bild eine Filmkörnung zu, wie man sie von analoger Fotografie noch kennt. Menge, Größe und „Rauheit“ lassen sich hier einstellen.
Mit dem überarbeiteten Post-Crop Vignetting fügt man – wie die Bezeichnung schon vermuten lässt – dem Bild eine Vignettierung zu, also eine Aufhellung beziehungsweise Abdunklung der Bildrandbereiche. Dabei kann Lightroom entweder die Lichter in den Fotos erhalten oder die Farbwerte. Menge, Form, Kontrast und Weichzeichnung lassen sich hier einstellen, mit dem Mittelpunkt verändert man die Größe der Vignettierung.
Unter Detail findet man die überarbeitete Schärfe- und Rauschunterdrückungs-Funktion. Laut Adobe-Entwickler Tom Hogarty ist sie allerdings nur ein „Zwischenstand“ bis zur finalen Version. Um das Rauschen aus Bildern zu reduzieren, zum Beispiel bei hohen ISO-Werten, setzen viele Algorhythmen Weichzeichner an: Bilder verlieren dann Details und können unter Umständen „matschig“ aussehen. Das Ziel der Adobe-Entwickler ist, diesen Effekt zu vermeiden und möglichst viele Details zu erhalten.
Das Netz lebt, über ein Modul hat Adobe den Export zur Bilder-Online-Seite Flickr realisiert. Kommentare auf Flickr importiert die Software und zeigt sie passend zu den Bildern an. Wer einen Pro-Account des Bilderdienstes besitzt, braucht sich um Aktualisierungen keine Gedanken mehr machen – sobald man ein Flickr-Bild in Lightroom ändert, wird dies auch automatisch auf dem Bilderdienst geändert.
Bewegte Bilder gibt Lightroom 3 nun ebenfalls aus, dazu wechselt man zum Menüpunkt Slideshow und legt eine Diashow an. Sie lässt sich mit Musik unterlegen und in verschiedenen voreingestellten Auflösungen ausgeben, zum Beispiel in HD für Apple TV und YouTube und in passenden Auflösungen für iPhone und iPods.
Der Export kann etwas dauern, denn die Software setzt ganz auf den qualitativ hochwertigen, aber rechenintensiven H.264-Codec.
Mit Wasserzeichen schützt die Bundesbank Geldnoten, Bilder sollen durch diese auch einen gewissen Schutz erfahren. Die neue Wasserzeichen-Funktion findet man im Print und Web Bereich der Software. Sobald man das Häkchen bei Watermark gesetzt hat, kann man das Watermark Editor-Fenster aufrufen und dort ein Wasserzeichen in Bild oder Text anlegen, das Lightroom in das Bild einrechnen soll.
Ein „unsichtbares“ Wasserzeichen kennt die Software nicht, aber man kann relativ einfach einen Copyright-Hinweis erstellen und als Vorlage auch für künftige Bilder abspeichern.
Im Druck-Dialog lässt sich nun der Layout-Stil Custom Package finden. Er erlaubt es Anwendern, die Größe und Anordnung von Bildern nach eigenen Vorstellungen zu gestalten.
Wer mit seiner Digitalkamera Raw-Dateien schießen kann, sollte diese bevorzugt benutzen, ansonsten verschenkt er einiges an Bildqualität. Lightroom 3 zeigt auch in diesem Bereich Verbesserungen, Adobe setzt die neue Version auf Camera Raw CS5 auf. Anwender früherer Photoshop-Versionen können mit der Beta von Lightroom zumindest vorübergehend und ohne Upgrade-Investition auf eine aktuelle Camera Raw-Version zugreifen.
Adobe beschreibt die Änderungen der RAW-Bilder als so tiefgreifend, dass die Entwickler ein neues Konzept umsetzen „mussten“: Process-Versions. Mit diesen kann Adobe einzelne Bildbearbeitungsschritte der Software aktualisieren, in Lightroom 3 sind das zum Beispiel die Rauschunterdrückung sowie der neue Scharfzeichner. Im Gegensatz zu diesen Effekten betrifft das verbesserte Demosaic-Verfahren alle Bilder.
Man findet diese Versionen in der Menüzeile unter Settings, Process Versions. Ausgewählt ist dort Version 2, die auch die aktuelle Version ist. Sollte man eine ältere Version ausgewählt haben, dann erscheint im Histogram ein kleines Warndreieck. Ein Klick, und Lightroom verwendet wieder die aktuelle Process Version.
Vor dem Download der Betaversion müssen Interessierte sich erst eine Adobe-ID besorgen. Ist diese Hürde geschafft, so kann es losgehen. Voraussetzung ist ein Intel-Mac mit Mac OS X 10.5 oder einer höheren Systemversion. Bis zum Erscheinen der finalen Version hat man Zeit, die Software zu testen. Zudem stellt Adobe drei Videos online, in der Julieanne Kost durch die Neuerungen führt – fast eine Stunde dauert der englischsprachige Filmausflug insgesamt.