SPIELEN AM MAC
30.09.2009
Eine göttliche Macht regiert auf dem Mac: Du. Im Strategiespiel Black & White 2 verteidigst Du Dein Volk als allmächtiger Beschützer. Die tobenden Heerscharen branden gegen die Stadtmauern, sie stehen kurz vor ihrem Einfall in die Stadt. Verängstigt senden die Bewohner Gebete und Bitten gen Himmel. Plötzlich braust ein Sturm auf, Felsblöcke stürzen auf die Angreifer und jeder der versucht sich Deiner göttlichen Rache zu entziehen, ertrinkt in einer Sintflut.

Mit der Fortsetzung von Peter Molyneuxes Strategiespielklassiker ziehen gute und böse Götter erneut auf dem Mac ein. Veteranen der letzten Götterdämmerung werden viel Altbekanntes entdecken, die Grundlagen sind geblieben: Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Gottes (Selbsterkenntnis inklusive) und während er lediglich als göttliche Hand in Erscheinung tritt, gibt es noch einen tierischen Stellvertreter.
Als oberste Instanz sorgt er dafür, dass das eigene Volk ein Dorf errichtet, Bäume fällt sowie Erze sammelt und sich fleißig vermehrt. Müßiggänger schnappt er am Schlafittchen und teilt ihnen eine Arbeit zu. Was nach typischen Handlungen eines Aufbau-Strategiespiels klingt, ist in den Grundzügen auch eines. Zudem findet man noch Rollenspiel- und First-Person-Action-Elemente.
Spieler, die erst mit dem zweiten Teil den göttlichen Funken verteilen, bekommen für den leichteren Einstieg zwei Helfer zur Seite gestellt. Als Tutor geben Dir ein kleiner Teufel sowie ein bärtiger Engel immer wieder einen Hinweis, wie es mit Dir als Gott weitergehen könnte. Während der Teufel den Spieler auf die dunkle Seite der Macht zu ziehen versucht, predigt der Engel Nächstenliebe. Letztendlich entscheidest Du, ob Du als guter oder böser Gott über das Eiland regieren möchtest.
Allerdings gerät man in der Göttersimulation fast zwangsläufig auf die schiefe Bahn: Die friedliche Eingliederung konkurrierender Völker durch göttliche Prahlerei ist eher für Aufbaustrategen mit viel Zeit interessant. Gefechtsstrategen hingegen sollten lieber der militärischen Unterwerfung fröhnen, was deutlich mehr Spaß bringt und nicht soviel Zeit in Anspruch nimmt. Wer auf seinen Teufel hört, befleckt zwar seinen Heiligenschein, vor allem wenn er zur Steigerung der Manaproduktion ein paar Gläubige in die Altarflamme wirft, aber schläft dafür nicht vor seinem Mac ein.
Was Black & White bereits in der ersten Version auszeichnet, gibt es auch im Nachfolger: Dein Stellvertreter auf Erden ist ein überlebensgroßes Schoßtier. Der Spieler hat die Wahl zwischen Löwen, Affen, Wolf und Kuh. Das gewählte Alter Ego agiert als verlängerter göttlicher Arm. Man kann dem anfänglich in den Kinderschuhen steckendem Tierchen Aufträge erteilen oder man überlässt es sich selbst. Das ist allerdings erst ratsam, wenn man ihm einige Verhaltensregeln beigebracht hat.
Dazu investieren Götter viel Zeit in die Aufzucht ihrer Geschöpfe. Ganz allmählich wachsen die Biester, wer ihnen einen Wachstumsschub verpassen möchte, lässt sie einige Untertanen frühstücken. Verspeist es allerdings zu viele Stadtbewohner, gehen der Volkswirtschaft die Arbeitskräfte aus und die Korn-, Erz- und Holzlager werden nicht mehr gefüllt. Verzieht man die Kreatur zu sehr, wird sie später umso schwerer im Zaum zu halten sein.
Die Erziehungsmethoden sind autoritär: Durch Ohrfeigen und Streicheleinheiten wird dem Liebling signalisiert, was erlaubt ist und was nicht. Hier zeigt die Steuerung allerdings einige Schwächen: Manche Ohrfeigen-Bewegungen mit der Maus interpretiert das Programm fälschlicherweise als Liebkosung.
In Black & White 2 kann man zudem gezielt Einfluss auf die charakterliche Entwicklung der Kreatur nehmen, indem man Schwerpunkte im Charaktermenü setzt. Für eine gesteuerte Erziehung stehen Dir zudem unterschiedliche Leinen zur Verfügung. An einem Stein oder Baum festgekettet sammelt das Biest Rohstoffe, betätigt sich als Baumeister oder Alleinunterhalter beziehungsweise wird zum Krieger.
Neben der Aufzucht der Kreatur muss man als vielbeschäftigter Gott auch der Stadtentwicklung seine Aufmerksamkeit widmen. Die Häuser erbauen die Untertanen zwar selbständig, allerdings erst nach dem man ihnen gesagt hat, was wo entstehen soll. Zum Glück sind sie bei der Beschaffung der Baumaterialien und anderer Versorgungsgüter nicht so unselbständig. Hier greift der Spieler nur ein, wenn beispielsweise zu wenig Nahrung in den Vorratshäusern liegt. Dann verpflichtet man eine Anzahl von Bürgern kurzerhand zum Ernteeinsatz.
Die zweite Auflage der Göttersimulation rückt die kriegerischen Auseinandersetzungen mehr in den Vordergrund.
Der Spieler stellt riesige Armeen aus Schwertkämpfern, Bogenschützen und Katapulten zusammen, die im Fallschatten seiner Kreatur zum Angriff blasen. Neben diesen kann man noch verheerende Wunder einsetzen, die allerdings in den meisten Fällen nur auf eigenem Grund und Boden gewirkt werden können. So kann man beispielsweise mit der Sintflut Angreifer hinwegspülen, aber die gegnerischen Armeen nicht in ihrer Stadt ersaufen lassen.
Auch im zweiten Teil ist die 3D-Grafik über jeden Verdacht erhaben, die Künstler von Lionhead haben noch eins draufgesetzt und die neue Welt noch eindrucksvoller gemacht. Die gleißende Sonne zaubert funkelnde Lichtreflexe auf das Wasser des Ozeans, die Inseln sind detailreich und laden zu einem Spaziergang über wogende Kornfleder und durch rauschende Wälder ein. Passend zum Charakter eines Gottes entwickelt sich auch die Umgebung.
Gute Götter blicken auf einen gepflegte Besitz mit grünen Wiesen und Wäldern sowie eine tadellos manikürte Hand, während der böse Gott auf eine schwarze, von Lavaströmen durchzogene Einöde mit wurzelüberrankten Gebäuden sieht und die göttliche Hand mit hervortretenden Adern und langen Fingernägeln an böse Kinderträume . Die Welt ist frei zoombar und man kann den Betrachtungswinkel beliebig verändern. Die dynamischen Tageszeiten sorgen für stimmungsvolles Licht. Per Uhrzeiger am Horizont kann der Spieler zudem den Stand der Sonne und somit die Länge der Tage frei bestimmen.
Einen Minuspunkt erhält Black & White für die ausgesprochen störrische Steuerung. Teilweise hakt sie, in einigen Quests muss man Fässer oder Steine durch die Gegend schleudern und benötigt dazu ungezählte Anläufe, da die göttliche Hand nicht das tut, was man ihr befiehlt. Auch die KI-Gegner sind nicht gelungen: Sie attakieren grundsätzlich an der selben Stelle und zeigen weder bei der Freund- noch Feindbewegung überraschende Reaktionen, was Strategie-Profis sicherlich deprimieren wird. Ohne seine tierischen Stars und die motivierende Aufzucht würden die Schwachpunkte überwiegen. So aber macht es über weite Strecken durchaus Spaß, die Grafik ist ein Highlight und man kann getrost die ein oder andere Stunde in der kalten Jahreszeit mit diesem Spiel verbringen. Zumal es mit 40 Euro noch erschwinglich ist.
Das Spiel setzt einen Intel-Mac mit mindestens Mac OS X 10.4.8, 1.8 Gigahertz, 512 Megabyte Arbeistspeicher sowie einer Grafikkarte mit 128 Megabyte Videospeicher. Besitzer eines Macs mit GMA-Grafikchip können Black & White 2 nicht spielen.